Alkohol im Bogensport

In den Parcoursregeln sowie in den Regeln bei Bewerben ist meistens zu lesen, dass Alkohol verboten ist. Dies kann gegebenenfalls auch kontrolliert werden und alkoholisierte Personen die Teilnahme an der Veranstaltung oder das Benützen der Bogensportanlage untersagt werden. 
Vor allem bei kleineren, nicht offiziellen Turnieren, so wie auch bezüglich der Benutzung der Anlagen zum Training, schert sich kaum jemand um das Thema. Ganz im Gegenteil, wird während Turnieren an den Labstationen oft sogar Alkohol ausgeschenkt, obwohl in der Ausschreibung Alkoholverbot angegeben ist. Auch stören sich viele Parcoursbetreiber nicht daran, den Besuchern schon vor der Parcoursrunde Alkohol auszuschenken.  
Warum dies so ist und warum Alkohol beim Bogenschießen kritisch anzusehen ist, erfährst Du in diesem Beitrag.

Alkohol ist kein Genussmittel

Alkohol wird von vielen Menschen gerne als Genussmittel betrachtet und natürlich auch in diese Richtung beworben. Gesellschaftlich wird Alkoholkonsum nicht nur toleriert, sondern gehört in vielen Fällen nach wie vor zum „guten Ton“. Die dadurch entstehende gesellschaftliche Dynamik trägt wesentlich zu Alkoholsucht und alkoholbedingten Erkrankungen bei. Es fehlt in weiten Teilen der Bevölkerung nach wie vor das Bewusstsein, dass Alkohol eben kein Genussmittel ist, sondern eine Droge mit hochgradig toxischer Wirkung auf den Körper, die akut Bewusstsein, Wahrnehmung und Kognition auch schon in geringer Dosierung massiv beeinträchtigt. Alkohol weist ein hohes Abhängigkeitspotential auf und schädigt regelmäßig auch unbeteiligte Personen.

Statistiken zu Verkehrsunfällen, Körperverletzungen und anderen Gewalttaten unter Alkoholeinfluss, sprechen hier eine klare Sprache.
Das Alkohol als Droge legal ist, ändert nichts an der Schädlichkeit. (Warum andere Drogen, die nachweislich weder schädlicher oder sogar weniger schädlich sind als Alkohol trotzdem verboten sind, ist wieder ein Thema für sich)
Wie sehr Alkoholkonsum Teil des Selbstbildes vieler Menschen ist, sieht man sehr gut, wenn man sich die entsprechenden T-Shirts* auf Amazon ansieht. Das Saufen wir mit solchen Sprüchen nicht nur schöngeredet, sondern zur Lebenseinstellung gemacht.
Hier kommt oft ein Einwand wie: „Ja, aber meine Oma hat auch jeden Tag eine Flasche Wein gesoffen und ist 99 Jahre alt geworden“
Ja. Aber auf eine Oma, die jeden Tag eine Flasche Wein säuft und 99 wird, kommen neunundneunzig weitere Omas, die frühzeitg an an den Folgen regelmäßigen Alkohlkosnums zugrunde gegangen sind.
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Aber ist es nicht meine Sache, ob ich mir mit Alkohol schade?

Dieser Beitrag ist nicht moralisch zu verstehen. Ich bin der letzte, der jemanden vorschreiben möchte, welche Drogen er konsumieren soll. Aufklärung in Bezug auf alle Drogen halte ich für wesentlich sinnvoller als Verbote. Wer konsumieren will, der konsumiert – egal was und ob legal oder illegal.
Gleichzeitig will ich jedoch nicht in einen Verkehrsunfall verwickelt werden, weil jemand Alkohol getrunken hat. Genauso wenig lege ich Wert darauf, von Personen die sich unter Alkoholeinfluss nicht mehr unter Kontrolle haben, im öffentlichen Raum angepöbelt oder sonst in irgend einer Weise belästigt zu werden. Mir ist schon klar, dass ich in der Kneipe nebenan oder Abends auf der Partymeile damit zu rechnen habe, von betrunkenen Menschen angelabert zu werden. Beim Einkaufen oder wenn ich auf den Zug warte, brauche ich das aber nicht – und beim Bogenschießen noch viel weniger.

Ebenso gibt es nichts Lästigeres,  wie wenn mich jemand unbedingt dazu überreden möchte Alkohol zu trinken, nachdem ich bereits klar gesagt habe, dass ich keinen Alkohol möchte. Ein oder auch zweimal Alkohol anzubieten ist in Ordnung und Teil der Höflichkeit. Es fortlaufend zu tun und dann auch noch mit Fragen zu nerven, ob man denn nichts trinke, warum man denn nichts trinke, ob man nie etwas trinke und man nicht vielleicht doch Alkohol trinken möchte, zeugt hingegen nicht von Höflichkeit, sondern eher davon, dass man selbst ein Alkoholproblem hat.
Erfreulicherweise wird der Nicht-Konsum von Alkohol heute besser akzeptiert als noch vor zehn Jahren. Dennoch gibt es auch heute noch leider viele Menschen, für die Saufen die Norm ist.
Aber der Konsum von Alkohol ist der Konsum einer Droge – und eben nicht der Genuss eines Genussmittels – das sollte in den Kopf rein, bevor man die Entscheidung trifft, Alkohol zu trinken.

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Auswirkungen von Alkohol auf das Bogenschießen

Kommen wir jetzt zu den direkten Auswirkungen von Alkohol auf das Bogenschießen. Alkohol hat bereits in geringen Dosen Auswirkungen auf die exekutiven Funktionen des Gehirns. Damit sind jene geistigen Funktionen und Fähigkeiten gemeint die den Menschen befähigen, seine Umwelt korrekt einzuschätzen und sein Verhalten dieser Umwelt so anzupassen, dass ein möglichst günstiges Resultat die Folge ist.
Zu den exekutiven Fähigkeiten gehören beispielsweise Aufmerksamkeitssteuerung, Impulskontrolle, strategische Planung von Handlungen sowie Kontrolle der Handlungsergebnisse und entsprechende Selbstkorrektur. All diese Dinge spielen beim Bogenschießen allgemein eine Rolle. Auch das Erkennen von Gefahren bzw. die angemessene Reaktion darauf ist unter Alkoholeinfluss beeinträchtigt. Bogenschießen unter Alkoholeinfluss erhöht also das Sicherheitsrisiko.
Das Problem ist hier dasselbe, wie beim Autofahren unter Alkoholeinfluss – auch wenn sich der Mensch selbst noch nicht durch den Alkoholkonsum beeinträchtigt fühlt, liegt dennoch bereits eine (messbare!) Beeinträchtigung der exekutiven Funktionen vor.

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Aber wenn ich etwas getrunken habe, treffe ich besser…

Das kann in der Tat der Fall sein. Automatisierte Handlungen funktionieren an sich auch unter Alkoholeinfluss gut, zumindest so lange die Motorik nicht so sehr beeinträchtigt ist, dass kein entsprechender Bewegungsablauf mehr möglich ist. Die oben genannten exekutiven Funktionen sind vor allem dann nötig, wenn durch das automatisierte Handeln keine Lösung mehr möglich ist. Dies erklärt auch, warum Autofahrer mitunter auch Sturz-besoffen ohne Unfall nachhause kommen – solange keine Situation auftritt, die funktionierende exekutive Funktionen erfordert, passiert auch nichts. Kommt es jedoch zu einer solchen Situation, ist das Unfallrisiko stark erhöht.

Dasselbe trifft beim Bogenschießen zu. Der Ablauf mag unter Alkoholeinfluss erstmal sogar besser gelingen, da der Kopf weniger im Weg steht und auch, da sich Alkohol auf Stimmung und Selbstvertrauen auswirkt. Zugleich jedoch, kommt es unter Alkoholeinfluss häufiger zu Fehleinschätzungen der Gegebenheiten, motorischen Fehlern sowie Fehlern die sich aus Aufmerksamkeitsmangel ergeben. In den allermeisten Fällen, verschlechtert Alkohol das Ergebnis, anstatt es zu verbessern. Aber selbst wenn nicht – das erhöhte Sicherheitsrisiko unter Alkoholeinfluss bleibt bestehen und lässt sich nicht wegdiskutieren.

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Gibt es einen risikolosen Alkoholkonsum?

Wie überall gilt: Die Dosis macht das Gift. Die Dosis die noch einen risikofreien Konsum darstellt, wird jedoch vielfach überschätzt. Es gibt verschiedene Beurteilungen, bis zu welchen Mengen Alkoholkonsum als risikoarm anzusehen ist. Die WHO gibt hier 20g für Frauen (0,5l Bier oder 0,2l Wein) und 30g für Männer (0,75l Bier und 0,3l Wein) an. Andere gehen wiederum von 12g für Frauen und 20g für Männer als risikoarmen Alkoholkonsum pro Tag aus, wobei an zwei Tagen pro Woche gar kein Alkohol konsumiert werden darf.

Wir sind hier also bei dem berühmten: „Naja, ein Bier am Tag, oder ein Glas Wein schadet ja nicht. Ist ja sogar gesund.“
Das Problem ist, dass es in den meisten Fällen niemals bei diesen Mengen bleibt. Wer täglich konsumiert, trinkt bald auch größere Mengen. Bezüglich der positiven Auswirkungen auf die Gesundheit von Alkohol: Es gibt tatsächlich einzelne, nachgewiesene, positive Effekte von Alkohol auf den Körper. Diese werden jedoch von den negativen Aspekten übertroffen.

Für umfassende Informationen zum Thema Alkoholkonsum, schau dir diesen Wikipediartikel an.

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Ab wann ist man Alkoholabhängig?

Alkoholkrankheit hat viele Gesichter. Wer sehr regelmäßig trinkt, entwickelt rasch eine Toleranz und benötigt größere Mengen um die gewünschte Wirkung zu erreichen. Dies ist trügerisch – „Trinkfest“ zu sein und die psychischen Auswirkungen von Alkohol (oft auch vermeintlich) erst bei größeren oder großen Mengen zu spüren, ändert nichts an den schädlichen Wirkungen von Alkohol.
Eine Gewohnheit stellt sich bei Alkohol sehr rasch ein. Die Angewohnheit regelmäßig alkoholische Getränke zu konsumieren, wird meist schleichend stärker und irgendwann zur Sucht. Die Grenzen sind hier fließend. Je mehr Alkoholkonsum in den Fokus rückt, desto größer ist auch die Gewohnheit. Wer sich regelmäßig auf sein „Feierabendbier“ freut, wer häufig daran denkt, wann und wo es denn das nächste Mal Alkohol gibt und vor allem auch wer sich das Saufen als normal schönredet, ist stark gefährdet alkoholkrank zu werden.
Sobald der Konsum von Alkohol nicht die Ausnahme, sondern die Regel ist, besteht die Gefahr alkoholkrank zu werden.
Sehr viele gute Informationen zum Thema Alkoholabhängigkeit findest Du hier: https://de.wikipedia.org/wiki/Alkoholkrankheit

So viel zum Alkohol, so wenig zum Bogenschießen

Der Beitrag hier sagt tatsächlich wenig über den direkten Zusammenhang von Alkohol und Bogenschießen. Er steht trotzdem in dieser Form hier, weil mir das Thema an sich am Herzen liegt.
Ich komme aus einem Umfeld, in dem Alkohol trinken normal, erwachsen und männlich war. Mit 12 oder 13 tranken ich und ein paar Kumpels bereits öfter mal Alkohol – in Mengen, die über das bloße ausprobieren hinausgingen. Das wurde nicht weniger – ab Beginn meiner Lehrzeit war das Saufen allgegenwärtig. Auf der Baustelle, in der Mittagspause und dann natürlich am Wochenende beim Weggehen. Ich war auf dem besten Weg in den Alkoholismus – und mein Umfeld hat das nicht im geringsten gestört.
Mit 18 und der bestandenen Führerscheinprüfung hörte ich dann mehr oder weniger von einem Tag auf den anderen mit dem Trinken auf. Einerseits weil ich die neu gewonnene Mobilität und damit Freiheit nicht so schnell wieder in Form meines „Deckels“ abgeben wollte, andererseits aufgrund einiger Erlebnisse und Veränderungen in meinem privaten Umfeld. 

Jedenfalls begann ich ab diesem Zeitpunkt sehr bewusst zu erleben, was Alkohol mit Menschen macht. Heute bin ich knapp 42 und wenn ich mich heute so umsehe, dann sehe ich einst kraftstrotzende, junge, aufgeweckte Menschen, die heute jeden Tag träge beim Wirten hocken und sich lieber betrinken und über die ungerechte Welt beschweren, anstatt ihr Leben sinnvoll zu gestalten. Ich sehe einst intelligente Menschen, die sich im Lauf der Jahre ihr Hirn kaputt gesoffen haben. Ich sehe manche Menschen nicht mehr, weil sie oder andere sich betrunken hinter das Steuer gesetzt haben. Ich sehe kaputte Familien und misshandelte Kinder, weil Teile davon mehr Alkohol trinken als gut für sie ist. 

Und ich sehe Bogenschützen, die eigentlich ganz hervorragend Bogenschießen können – die aber nie ihre ganze Leistung bringen, weil sie von den Auswirkungen von Alkohol oder ihrer Sucht danach abgelenkt sind.

Und noch einmal: Ich bin der letzte der jemand vorschreiben möchte, wann er wie viel von welchen Drogen konsumieren oder nicht konsumieren soll. Aber in Bezug auf Alkohol macht euch eben bitte bewusst, dass ihr eine hochwirksame und hochgiftige Droge und kein Genussmittel konsumiert.

Schön wäre es auch, wenn auf Turnieren Alkohol erst nach der Veranstaltung ausgeschenkt würde… aber dazu ist Drogenkonsum in Form von Alkohol wohl noch immer viel zu normal…

In diesem Sinne, alkoholfrei, alle ins Gold, alle ins Blatt

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