Der Widerstand gegen mentales Training beim Bogenschießen

Mentales Training ist für das Bogenschießen unerlässlich – jeder weiß es, niemand macht es.
Gut – dass niemand mentales Training macht, ist natürlich plakativ übertrieben. Aber obgleich eigentlich alle Bogenschützen immer wieder feststellen, dass sie schlechter treffen, wenn sie nicht in ihrem optimalen Zustand für das Bogenschießen sind, lehnen sehr viele von ihnen die Beschäftigung mit Mentaltraining ab. Warum das möglicherweise so ist, werden wir unten noch sehen. Zuerst jedoch ein paar typische Sätze die Bogenschützen sagen, wenn es mal wieder nicht so läuft:

  • Ich kann mich heute nicht so recht konzentrieren
  • Heute passt´s nicht, ich komme nicht so richtig rein
  • Ich brauche immer erst eine halbe Parcours-Runde bis ich von meinem Stress in der Arbeit runter bin.
  • Heute sind schon wieder so viele Leute da, da kann ich nie wirklich entspannt schießen.
  • Im Kopf muss es passen – aber das kann man halt nicht ändern.
  • Wenn der erste gleich daneben geht, ist´s vorbei, da treffe ich nichts mehr.
  • Am Anfangs läuft´s immer, aber irgendwann ist plötzlich die Konzentration weg.
  • Sobald ich mitschreibe, schieße ich schlechter.
  • In der Gruppe kann ich nicht so gut schießen.
  • Es geht immer nur so lange, bis ich einmal daneben geschossen/einen Pfeil verloren/mich eine Gelse gestochen, etc. hat.

In all diesen und ähnlichen Fällen werden zwar Symptome und äußere Ursachen dafür erkannt, das Ganze wird jedoch als unabänderlich hingenommen. Und genau hier liegt der Knackpunkt: Die äußeren Umstände lassen sich immer nur sehr begrenzt bis gar nicht beeinflussen. Wie wir jedoch damit umgehen und darauf reagieren, können wir durch mentales Training langfristig und nachhaltig beeinflussen.
Natürlich hat jeder Mensch seine eigenen Idealbedingungen unter denen er sich beim Bogenschießen am wohlsten fühlt. Natürlich lassen sich störende Gedanken und Gefühle nicht einfach wegzaubern. Natürlich kommen wir auch nicht immer mit einem einfachen Fingerschnippen in unseren Idealzustand – aber wir können lernen ihm näher zu kommen.

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Warum betreiben jetzt nicht mehr Bogenschützen mentales Training?

Dafür gibt es verschiedene Gründe, die sich mit “Weiß nicht, wirkt nicht, fürchte mich” zusammenfassen lassen. Von hinten nach vorne:

Ich fürchte mich vor mentalem Training weil…

Es ist jener Grund dem gerne andere Gründe vorgeschoben werden. Mentales Training ist keine Psychotherapie, bedingt aber natürlich, dass man sich auch mit sich selbst auseinandersetzt – und sich dabei zwangsläufig manchmal auch mit Dingen konfrontiert sieht, die man sonst lieber ausblendet.
Die zweite Furcht ist die Furcht vor dem Unbekannten. Wer damit bislang damit nichts am Hut oder es sogar abgelehnt hatte, muss sich neuen Erfahrungen stellen oder sich sogar eingestehen, dass seine vorherige Meinung falsch war, wenn er sich entscheidet fortan mentales Training zu betreiben.

Mentales Training wirkt (bei mir) nicht. Mentales Training ist nur für Leistungssportler

Das Mentaltraining bei einem selber oder auch generell nicht wirkt, wird häufig als Grund vorgeschoben. Da es kaum eine Sportart gibt, in der Spitzenathleten überhaupt keine Form mentalen Trainings betreiben, kann man wohl schwer behaupten, dass Mentaltraining per se unwirksam wäre. Warum sonst sollten Spitzensportler mit ohnehin schon straffem Trainingszeitplan auch noch Zeit für das mentale Thema aufwenden?
Viele Menschen kommen im Laufe ihres Lebens einmal mit zumindest einer der vielen existierenden mentalen Techniken in Berührung. Manchmal aus Neugier, weil sie zufällig auf einen entsprechenden Artikel oder ein Video stoßen, häufig auch im beruflichen Bereich auf verschiedenen Seminaren rund um Stress- und Selbstmanagement, Mitarbeiterführung, Recruiting, Entwicklung kreativer Fähigkeiten, ferner auch im Rahmen medizinischer Therapien und Rehabilitationen. Diese Angebote sind jedoch fast immer zeitlich begrenzt und finden sehr häufig im Gruppen-Setting statt. Soll heißen: Nicht immer findet dort jeder die Methoden, die für ihn geeignet wären oder schafft es, das Gelernte mitzunehmen und häufig genug zu üben. Daraus resultiert letztendlich die Meinung: “Das funktioniert bei mir nicht.” – Insbesondere dann, wenn von vornherein Vorurteile dagegen bestanden haben.

Mentaltraining funktioniert bei jedem Menschen. Es ist allerdings – wie der Name schon sagt – etwas was trainiert werden muss. Genauso wie der Bewegungsablauf und die dafür notwendige Muskulatur, Beweglichkeit und Koordination beim Bogenschießen durch Training erlernt, perfektioniert und erhalten wird, kann auch mentales Training nur dann greifen, wenn es regelmäßig genug geübt wird. Und genau so, wie jedes körperliche Training letztlich auf individuelle Gegebenheiten abgestimmt sein muss, trifft dies auch auf das mentale Training zu.

Das mentale Training nur für Leistungssportler – oder gestresste Manager – etwas ist, trifft ebenso wenig zu. Jeder Mensch kann von Mentaltraining profitieren: Im privaten, beruflichen, sportlichen und zwischenmenschlichen Bereich. Und bezogen auf das Bogenschießen geht gerade dem Anfänger das Lernen der Grundtechnik leichter von der Hand, wenn er von Anfang an auch die mentalen Aspekte miteinbezieht.

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Ich weiß nicht wie mentales Training funktioniert. (Alternativ: Ich glaube das ist mir zu esoterisch)

Bevor jemand mit dem Bogenschießen begonnen hat, wusste er auch nicht wie Bogenschießen funktioniert. Soll heißen: Es sind eigentlich genug Möglichkeiten da, man muss nur anfangen sich mit der Thematik zu beschäftigen. Dann allerdings, steht man relativ rasch vor dem umgekehrten Problem: Man findet eine regelrechte Flut von Methoden und Angeboten und weiß nicht, wo man am besten anfangen soll. Fakt ist auch, dass mentale Techniken universell einsetzbar sind. Daraus resultiert auch das Vorurteil, Mentaltraining sei esoterisch, da auch in diesem Bereich entsprechende Techniken zum Einsatz kommen – mit dem Unterschied, dass die Wirkung dann irgendwelchen unsichtbaren Geistwesen etc. zugeschrieben wird… Es steht natürlich jedem frei zu glauben, was er glauben will – Aber Mentaltraining funktioniert ohne jeglichem übernatürlichen Firlefanz.

Wer mit Mentaltraining beginnen möchte und sich von der Vielfalt an Angeboten überrollt fühlt, sollte sich an ausgebildete Mentaltrainer, Sporttrainer mit entsprechender Zusatzqualifikation oder Psychologen wenden. Frag gegebenenfalls auch etwas genauer nach Ausbildungen und Qualifikationen, da Mentaltrainer-Ausbildungen nicht einheitlich geregelt sind und manche Zertifikate an einem Wochenende vergeben werden.

(In meinem Fall: Ein auf 16 Monate ausgelegte Ausbildung zum Mentaltrainer via sgd die ich dank Corona-Lockdown schneller absolvieren konnte. Hierbei war durch umfassende schriftliche und mündliche Arbeiten das Verständnis der einzelnen Themengebiete nachzuweisen.
Einige Jahre Arbeit als Betreuer für Menschen mit geistiger Behinderung, in diesem Zusammenhang natürlich auch interne Schulungen zu pädagogischen und psychologischen Grundlagen und regelmäßige Supervision.
Weiter rund 30 Einheiten Selbsterfahrung unter psychotherapeutischer Begleitung. Außerdem natürlich fortwährende autodidakte Beschäftigung mit den entsprechenden Themenfeldern und Austausch mit Menschen aus ähnlichen Bereichen)

Ein weiteres Vorurteil: Bogenschießen an sich ist bereits mentales Training

Häufig wird der Einwand gebracht, Bogenschießen an sich sei ja bereits mentales Training. Das ist jedoch nur sehr bedingt der Fall. Bogenschießen bedingt mentale Fähigkeiten und natürlich werden diese Fähigkeiten bis zu einem gewissen Grad alleine durch die Tätigkeit an sich mittrainiert. Es gibt hier jedoch eine – meist relativ rasch erreichte – Grenze, ab der Bogenschützen an ihre eigenen mentalen Grenzen stoßen. Dies wäre spätestens der Zeitpunkt, an dem gezielt mit mentalem Training begonnen werden sollte. Stattdessen wird aber häufig lieber am Material oder an der eigentlich eh schon sauberen Schießtechnik herumgedoktert.
Anders gesagt: Bogenschießen ist nur dann Mentaltraining, wenn man es auch als solches betreibt.

Was genau ist jetzt mentales Training für Bogenschützen eigentlich?

Mentales Training – unabhängig davon, ob es sich um das Bogenschießen oder etwas anderes handelt – bedeutet im Prinzip nichts anderes, als einen förderlichen Umgang mit sich selbst zu entwickeln. Dieser förderliche Umgang beginnt immer “mental”, also damit, dass wir damit beginnen uns überhaupt erst Gedanken darum zu machen. Die Art wie wir auf Umwelteinflüsse und auf uns selbst reagieren ist größtenteils automatisiert. Was auch gut ist, denn wenn wir über jede Reaktion erst nachdenken müssten, wären wir schon lange ausgestorben. Manches davon behindert uns jedoch mehr, als das es uns hilft. Durch mentales Training lernen und üben wir, in solche hinderlichen Prozesse einzugreifen, ihre Wirkungen abzumildern und sie nach und nach durch konstruktive Denk- und daraus resultierend auch Handlungsweisen zu ersetzen.
Entspannungstechniken, autosuggestive Verfahren, Übungen zur Selbstwahrnehmung, Aufmerksamkeitssteuerung, Selbstgesprächsregulation, Visualisierung, mentales Trainieren von Bewegungsabläufen, Ankertechniken … der mentale Werkzeugkoffer ist riesig. Ausgangspunkt ist immer eine erste Klärung des Ist-Zustandes und je nach Ergebnis und Persönlichkeit sind es unterschiedliche Schwerpunkte die mithilfe unterschiedlicher Methoden zuerst angegangen werden.

In diesem Sinne, alle ins Gold, alle ins Blatt

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