Beim Facewalking wird der Ankerpunkt im Gesicht in Abhängigkeit von der Entfernung zum Ziel verändert. Je nach Ankerpunkt kann auf eine bestimmte Distanz die Pfeilspitze genau ins Ziel gehalten werden. Auf diese Weise ermöglicht das Facewalking ein systematisches Zielen, ähnlich wie das Stringwalking. Stringwalking und Facewalking können auch miteinander kombiniert werden, um für weite Distanzen ein Abgreifen über dem Pfeil zu verhindern.

Wie präzise ist Facewalking?

Mit einem gut ausgearbeiteten und eingeübtem System lassen sich ähnlich gute Ergebnisse wie mithilfe von Stringwalking erzielen. Facewalking ist jedoch schwieriger zu reproduzieren. Während beim Stringwalking mithilfe einer Skala am Tab die Griffposition an der Sehne einfach und sehr genau zu ermitteln ist und der Ankerpunkt gleich bleibt, muss beim Facewalking die richtige Position erfühlt werden. Man muss sich also die Ankerpunkte für die einzelnen Entfernungen präzise einprägen und sehr viel üben, um sie tatsächlich immer präzise zu erreichen. Zugleich wird es bedingt durch die Physiognomie des Gesichts schwieriger, eine immer gleiche, seitliche Ausrichtung, respektive die Position des Sehnenschattens konstant beizubehalten. Ebenso kann es je nach Ankerpunkt zu etwas variierenden Auszugslängen kommen, wobei diese beim Facewalking jedoch auch Teil des Systems sein können.
Ist das System gut eingeübt, ist bezüglich des Zielens auch bei dieser Technik die Pfeilspitze das limitierende Element. Aufgrund ihrer Größe wird es mit zunehmender Distanz immer schwieriger, sie auf einen klar definierten Punkt im Ziel zu halten, da sie mehr vom Ziel überlagert als der kleine Pin eines Visiers.  Ansonsten sind natürlich auch beim Facewalking, wie bei allen anderen Bogenschießtechniken, eine saubere Technik und ein gutes, mentales Setup nötig.

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Welcher Greifstil eignet sich ?

Prinzipiell kann sowohl mit mediterranem Griff, also auch mit 3-unter Griff Facewalking praktiziert werden. Ausgehend vom selben Ankerpunkt, verlässt der Pfeil beim mediterranen Griff den Bogen in einem steileren Winkel als bei 3-unter. Der Nullpunkt liegt damit also in größerer Entfernung, ergo muss der Ankerpunkt bei weiteren Distanzen weniger weit nach unten verlagert werden.  Umgekehrt muss bei sehr schnellem Setup und mediterranem Griff für kürzere Distanzen bereits sehr weit oben geankert werden.
Welcher Greifstil gewählt wird, sollte aufgrund des angestrebten Distanzbereiches und der Geschwindigkeit des jeweiligen Setups entschieden werden. Wer beispielsweise nur WA-Distanz bis 30 Metern schießen möchte und bei 3-unter Griff mit Seitenanker und Zeigefinger im Mundwinkel ohnehin schon einen Nullpunkt von 30 Metern hat, wird natürlich 3-unter beibehalten, da er den Ankerpunkt ohnehin nur noch nach oben verlegen muss. Sollen hingegen beispielsweise IFAA Distanzen bis 55 Meter bewältigt werden, ist bei obigem Beispiel unter Umständen der mediterrane Griff die bessere Wahl.
Letzthin sollten Setup und Greifstil so aufeinander abgestimmt sein, dass extrem hohe oder extrem tiefe Ankerpunkte möglichst vermieden oder zumindest nur selten gebraucht werden.

Kombination von Facewalking und Point of aim

Facewalking kann mit systematischem Point of aim kombiniert werden, um die Anzahl der zu lernenden Ankerpunkte zu reduzieren. Werden beispielsweise ein Ankerpunkt für 10 Meter, einer für 30 Meter und einer für 50 Meter beherrscht, können Entfernungen dazwischen durch eine Verlagerung des Haltepunkts geschossen werden. Insbesondere bei genormten Scheibenauflagen, deren jeweilige Ringbreiten auswendig gelernt werden können, ist es verhältnismäßig einfach, ein präzises System auszuarbeiten.
Aber auch beim 3D Schießen kann hier noch hohe Präzision erreicht werden, da die Pfeilspitze bei den Entfernungen dazwischen nicht mehr allzu weit von der Herzmitte weg ist und sich mit Herzlinie, Lungenlinie und Außenkanten des Tieres klare Orientierungspunkte bieten. Den exakten Zielpunkt zu bestimmen ist natürlich dennoch schwieriger, da die vielfältigen Größen der 3D-Tiere erst einmal bekannt sein oder gut schätzt werden können müssen.

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Voraussetzungen für das Facewalking

Wer Facewalking erlernen möchte, sollte im Vorfeld bereits eine gute Grundtechnik beherrschen. Es ist für Anfänger schon schwer genug, mit einem einzigen Ankerpunkt reproduzierbar wirklich saubere Gruppen auch nur auf kurze Distanz schießen. Solange die Pfeile bei selbem Haltepunkt zumindest auf eine Distanz von zwanzig Metern nicht wirklich reproduzierbar eng gruppieren, sollte man sich nicht zusätzlich noch mit den Schwierigkeiten verschiedener Ankerpunkte belasten.
Klar muss auch sein: Wer präzises Facewalking beim Schießen auf wechselnde, unbekannte Entfernungen machen möchte, muss diese möglichst genau in Metern schätzen können. Natürlich ist in einem gewissen Rahmen auch Facewalking nach Gefühl möglich, wirklich präzise wird es aber erst, wenn auch die Entfernungen möglichst genau geschätzt werden.
Weiter fallen bei jeder Art des Systemschießens Änderungen am Setup stark ins Gewicht. Wird die Pfeilgeschwindigkeit auf irgend eine Weise verändert oder auf kürzere/längere Pfeile gewechselt, ändern sich die jeweiligen Nullpunkte der einzelnen Ankerpunkte. Solche Änderungen wirken sich natürlich auch beim intuitiven Bogenschießen aus, werden hier jedoch meist relativ schnell intuitiv kompensiert.

Anleitung zum Facewalking

  1. Falls Du bislang intuitiv ohne bewusster Einbeziehung der Pfeilspitze geschossen hast, besteht Dein erster Schritt darin, das Visieren über die Pfeilspitze an sich zu üben. Dies klapp am schnellsten, wenn Du Dir auf einen leeren Dämpfer einen kleinen, gut sichtbaren Punkt machst. Beispielsweise ein Stück Klebeband, ein Scheibennagel, der Schraubverschluss einer Trinkflasche oder ähnliches. Beginne nun, aus einer Distanz von 10 Metern, die Pfeilspitze  vor dem Lösen deckungsgleich über diesen Punkt zu legen. Auf diese kurze Distanz werden Deine Pfeile dann natürlich noch über der Markierung gruppieren. Markiere Dir bei jeden Durchgang auch die Höhe, in welcher Deine Pfeile gruppiert. Übe jetzt so lange auf die 10 Meter, bis Deine Pfeile bei jedem Durchgang eng und in derselben Höhe über dem Zielpunkt gruppieren.
  2. Erhöhe jetzt in 5 Meter Schritten die Distanzen und wiederhole Schritt 1. Tue dies mindestens so lange, bis Du die Distanz hast, aus der Deine Pfeile den Zielpunkt treffen. Dies ist Dein Nullpunkt. (Eventuell musst Du hier dann auch eine Distanz zwischen den 5-Meter Schritten probieren). Ausgehend von diesem Nullpunkt weißt Du jetzt auch schon, dass Du bei weiteren Distanzen tiefer ankern und bei kürzeren Distanzen höher ankern muss. Wie oben beschrieben, solltest Du jetzt auch entscheiden, ob Du Deinen Griff beibehältst oder ein anderer Greifstil besser geeignet wäre. 
  3. Nun gehts Du wieder auf die 10 Meter Distanz und verlagerst Deinen Ankerpunkt schrittweise nach oben. Als Referenzpunkte eigenen sich meisten die Positionen der Fingerspitzen sehr gut. Beispielsweise also: Zeigefingerspitze im Mundwinkel, Mittelfingerspitze im Mundwinkel usw. Auch der Unterkieferknochen sowie der Wangenknochen können sehr einprägsame Punkte für die Fingerpositionen sein. Du kannst jeweils mit Deinem gewohnten Anker beginnen und von diesem aus die Position verändern. Du hast jetzt zwei Möglichkeiten: Entweder Du findest eine gute Ankerposition für 10 Meter oder eine für eine Distanz nahe der 10 Meter die Du dafür gut reproduzieren kannst, und korrigierst dann wie oben beschrieben Deinen Point of aim. 
  4. Erarbeite Dir jetzt  Ankerpunkte für die weiteren Entfernungen. Am einfachsten ist es, wenn Du zuerst einmal größere Sprünge machst, also beispielsweise einen Ankerpunkt für 30 und einen für 50 Meter. Wenn diese dann gut sitzen, erarbeitest Du Dir Ankerpunkte für die Distanzen dazwischen, oder eben ein Point of aim System. 
  5. Wenn das Ganze auf den markanten Punkt schon gut klappt, übst Du natürlich auch auf die entsprechenden Scheibenauflagen oder 3D Ziele. 
  6. Entfernungen schätzen und überprüfen. Und zwar ständig. Gönne Dir einen Entfernungsmesser * , trage den möglichst immer bei Dir und schätze und überprüfe Entfernungen bei jeder Gelegenheit, bei allen Lichtverhältnissen, in allen Winkeln und in jedem Umfeld die für das Bogenschießen infrage kommen.

Darf bei Bewerben mit Facewalking geschossen werden?

Das ist schlicht und ergreifend vom jeweiligen Reglement abhängig. Du musst Dich also informieren, welche Regeln gelten um zu wissen, ob Du facewalken darfst, bzw. in welcher Bogenklasse Du damit antreten musst. Eine bedeutende Regeländerung im WA-Regelwerk wurde hier unlängst auf der ÖBSV Webseite angekündigt. War facewalking bislang nur in der Blankbogenklasse erlaubt, soll dies nun auch in der Instinktivbogenklasse erlaubt werden. (Die übrigens in „Traditional“ umbenannt wird). Der genaue Wortlaut für die erlaubten Griffarten wurde noch nicht veröffentlicht. Den Link zur Ankündigung auf der ÖBSV Seite findet ihr hier: https://www.oebsv.com/news/oebsv-news/5626-info-zu-regelaenderung-nach-dem-wa-kongress )

Es wird spannend werden, wie viele Turnierschützen von dieser Regelung – vorausgesetzt sie kommt nun genau in dieser Form – Gebrauch machen werden und in welchem Maße sich die Ergebnisse dadurch ändern werden.

Alle ins Gold, alle ins Blatt!

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