Die Frage “WARUM” ist essenziell beim Bogenschießen. Ein Spruch, den ich immer wieder gerne mal bringe und der auch auf meinen Visitenkarten steht: “Wer bogenschießt muss lediglich zwei Dinge wissen: Warum er trifft und warum er daneben schießt.”
Das klingt zuerst nach einem Witz und bringt die Leute zum Schmunzeln, aber es verfängt und wir müssen uns eingestehen, dass wir häufig gar nicht wissen, warum wir getroffen oder nicht getroffen haben.
Es gibt einen buddhistischen Spruch, der lautet:

Der Zimmermann bearbeitet das Holz.
Der Schütze krümmt den Bogen.
Der Weise formt sich selbst.

Diesen Spruch kann man freilich auf vielerlei Arten interpretieren, aber für mich spiegeln sich die drei unvermeidbar miteinander verknüpften Aspekte des Bogenschießens darin:
Das Material, die Schießtechnik und die mentalen Aspekte. Und zu allen drei Aspekten kann die “Warum-Frage” gestellt werden.

Die Warum-Frage des Zimmermanns

Die wenigsten von uns bauen ihre Bögen und Pfeile selbst, wir benötigen aber dennoch gewisse Grundkenntnisse in Bezug auf die Physik von Pfeil und Bogen, um uns ein stimmiges Setup zusammen zimmern zu können. Warum brauchen wir einen bestimmten Spinewert, warum müssen wir die Standhöhe kontrollieren, warum sitzt der Nockpunkt an genau dieser Stelle? Warum ist das Material der Sehne wichtig, warum muss ein Pfeil eine bestimmte Biegefestigkeit haben und so weiter und so fort.
Die Warum-Fragen in Bezug auf die Ausrüstung werden wohl am häufigsten gestellt und am meisten diskutiert. Man sollte hierbei jedoch den Spruch beherzigen, dass das Material innerhalb einer Bogenklasse maximal 10% vom Ergebnis ausmacht. Wenn überhaupt. Wer ein halbwegs stimmiges Setup schießt, verfehlt sein Ziel nur sehr selten aus materialtechnischen Gründen. Dennoch sind 10% nun mal 10% die ein gleich guter Schütze dann mehr oder weniger im Ergebnis hat. Die Frage kann also auch nicht ignoriert werden.

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Die Warum Frage des Schützen

Während wir uns Bogen und Pfeile erstmal vom Zimmermann unseres Vertrauens geben lassen können, kommen wir um die Frage nach unserer Art den Bogen zu krümmen nicht herum. Unsere Schießtechnik hat den stärksten Einfluss darauf, wo der Pfeil letztlich landet.
Es gibt eine recht große Bandbreite an Möglichkeiten den Bogen zu krümmen und die Sehne danach loszulassen. Manche davon funktionieren nur bis einem bestimmten Entfernungsbereich präzise, manche sind auf das Schießen in Bewegung ausgelegt, manche beanspruchen den Körper mehr, manche weniger…
Die Frage, die wir uns stellen müssen ist: Warum schießen wir so, wie wir schießen und warum geschieht daraufhin dieses oder jenes?
Und um uns diese Fragen allmählich beantworten zu können, müssen wir in erster Instanz wahrnehmen, was wir da beim Bogenschießen eigentlich tun. Je detaillierter wir unseren eigenen Schussablauf kennen, desto differenzierter können wir allmählich auch feststellen, warum diese oder jene Bewegung den Pfeil in diese oder jene Richtung lenkt.
So richtig beherrschen wir einen Schussablauf erst dann, wenn wir nicht nur halbwegs reproduzierbar eine Reihe von Bewegungen ausführen können, sondern wenn uns auch klar ist, wie sich jede einzelne, kleine Änderung in diesem Bewegungsablauf auf unseren Schuss auswirkt. Dies ist der Punkt, an dem wir anfangen, immer häufiger zu wissen, warum wir daneben geschossen oder getroffen haben.
Übrigens ein guter Rat: Wenn wir beim Bogenschießen unerbetene Ratschläge bekommen, sollten wir immer nachfragen, warum genau wir es auf die vorgeschlagene Weise machen sollen, wie sich das Vorgeschlagene auf unseren Schuss auswirkt.

Die Warum-Frage des Weisen

Letztlich haben wir ein stimmiges Materialsetup und eine leidlich gute Schießtechnik. Dennoch stellen wir fest, dass es an manchen Tagen besser und an anderen schlechter funktioniert. Das ist der Punkt, an dem wir über uns selbst nachzudenken und “uns zu formen” beginnen sollten.
Bogenschießen ist letztlich auch immer Selbsterfahrung – nicht im psychotherapeutischen Sinne, sondern im schlichten Wahrnehmen dessen, wie unser Gemütszustand unser Bogenschießen beeinflusst. Wir finden hier das Zusammenspiel von Geist und Körper – und zwar jenseits aller Esoterik. Sich mit den mentalen Aspekten des Bogenschießens zu befassen bedeutet nicht, den Geist über den Körper zu stellen, sondern die (meist messbaren!) Zusammenhänge zwischen körperlichen Abläufen, mentalen Fähigkeiten, Emotionen, Gefühlen und Gedanken verstehen zu lernen.
Weisheit in der einfachsten Definition bedeutet, ein umfangreiches Verständnis von Zusammenhängen zu entwickeln und zu erkennen, welche Handlungsweise die jeweils sinnvollste ist. Was sich naturgemäß als eher schwierig erweist. Selbst wenn wir die obigen Zusammenhänge kennen, sind wir doch Menschen und keine Maschinen. Wir können unpassende Gedanken und Gefühle nicht auf Knopfdruck abschalten und wir haben auch nur begrenzten Einfluss auf unseren körperlichen Zustand.
Weisheit wächst nicht schnell. Es hat schon seinen Grund, warum in der bildlichen Vorstellung der Weisheit eher alte und oder in sich ruhende Menschen auftauchen und nicht 17-jährige, voll im Saft stehende Teenager…
Aber wir können an uns selbst, unseren mentalen Fähigkeiten, unserer Art, die Welt zu sehen und auf sie zu reagieren, durchaus genau so arbeiten, wie wir unseren Körper innerhalb eines gewissen Rahmens trainieren und ihm durch eine gesunde Lebensweise entgegenkommen können.

Die Einheit von Zimmermann, Schützen und Weisen

Der sich selbst formende Weise steht nicht über dem Zimmermann oder über dem Schützen. Er verkörpert und vereint alle drei Gestalten in sich. Er formt sich nach seinem Vermögen so, dass er ein guter Bogenschütze sein kann. Er zimmert, wenn er zimmern muss und fragt den anderen Zimmermann um Rat, wenn er nicht weiter weiß. Er übt den Bogen zu krümmen und fragt den anderen Schützen um Rat, wenn ihm eine Bewegung schwerfällt. Er formt sich selbst und fragt um Rat, wenn es ihm nicht gelingt – sich selbst als Weisen, den anderen Weisen, den Zimmermann, den Schützen oder wen auch immer er sonst fragen kann.
Auf diese Weise, wird ihm das Bogenschießen einfach.

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