Es gibt viele Bogenparcours und viele davon sind sch…  Aber warum? Dafür muss man zuerst einmal die vier Parcourstypen kennen.

Der „Etepetete Parcours“

Dieser Bogenparcours Typ ist so schön, dass selbst Beauty-Instagram Stars mit Millionen Followern vor Neid erblassen. Die Laufwege sind säuberlichst von jeglichem störenden Bewuchs gereinigt und sollte sich dennoch einmal eine Wurzel nicht haben entfernen lassen, warnen mehrsprachige Schilder und drei Reihen Absperrbänder vor Stolpergefahr.
Steigungen, sofern sie sich nicht vermeiden lassen, werden durch rutschfeste Stiegen und beidseitige, in drei verschiedenen Höhen gespannte Halteseile erleichtert. Wer sich trotzdem nicht traut, läutet an der dafür vorgesehen Glocke und wird vom Parcoursbetreiber oder Vereinsobmann persönlich hinauf getragen.
Schlamm ist auf diesen Bogenparcours ein Fremdwort. Schon bei geringsten Anzeichen von Feuchtigkeit rückt die zwölfköpfige Bereitschaftstruppe des Trockenlegung-Trupps aus, reinigt Drainagen und streut auf allen Wegen Flüssigkeitsbindemittel.
Die Ziele sind immer in neuwertigem Zustand und es werden ausschließlich solche Modelle gekauft, aus denen sich die Pfeile leicht ziehen lassen. Unnötig zu erwähnen, dass bei jedem Abschusspflock ein hochwertiger Fotoabzug des Tiers samt extra eingezeichneter Trefferzone befindet, sowie eine ausführliche Beschreibung seiner Fress-Schlaf- und Fortpflanzungsgewohnheiten. (Ebenfalls mehrsprachig, versteht sich)
Natürlich steht hinter jedem Ziel ein Backstop in der Größe einer Kinoleinwand.
Laben sind alle hundert Meter vorhanden und bieten eine breite Auswahl erlesenster Getränke und belegter Brötchen, die selbstverständlich in der trotz allem niedrig angesetzten Nutzungsgebühr enthalten sind.
Der Etepetete Parcours wird vorzugsweise von SonntagsschützInnen besucht. Das Foto für die FB- und Instagemeinde, um allen zu zeigen, welcher extrem ausgefallenen Freizeitbetätigung man gerade nachgeht oder welche Mühe man sich gibt, um dem hoffnungsvollen Nachwuchs etwas zu bieten, ist dabei mindestens genauso wichtig wie der Parcoursbesuch selbst.

 

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Der „Leistungsschützen Bogenparcours“

Dieser Parcours entspricht einem offiziellen Regelwerk. Und zwar genau. Ganz genau. Da steht kein Ziel auch nur einen Millimeter außerhalb des erlaubten Distanzbereichs. Kein Schusswinkel traut sich auch nur einen Grad steiler zu sein als erlaubt. Selbst eine Spinnwebe vor der Ferse eines ausgewachsenen Bisons wird als Sichtbehinderung erkannt und sofort beseitigt. Unnötig zu sagen, dass nur Ziele von Herstellern aufgestellt werden, die durch das Regelwerk genehmigt sind.
Auf diesem Parcours trifft sich die Elite, die Creme de la Creme* der Leistungsschützen. Wer nicht im fancy Vereinsoutfit kommt, erscheint in so strahlendem Weiß, dass sich selbst die Sonne geblendet hinter einer Wolke verzieht. Eingehalten wird die Kleidervorschrift immer, was vor allem daran liegt, dass der Parcours nur für Schützen zugelassen ist, die mindestens fünf Pfeilprüfungen im Wert mehrerer hundert Euro absolviert haben.
Geschossen werden darf am Leistungsschützen Parcours ausschließlich mit Bögen, die genau dem Regelwerk entsprechen. Bei Gruppen in genau der Reihenfolge, die auch beim Wettkampf einzuhalten ist. Selbstverständlich immer im besten Bemühen der exakten Ausführung des Standardschusses.
Um Streitigkeiten bezüglich der Punkte kurzzuhalten, verpflichten die Parcoursregeln jeden Besucher zur Mitnahme einer Lupe, um die Frage, ob Pfeil anliegen oder nicht zu klären. Sollte es zu irgendwelchen Unstimmigkeiten kommen, kann jederzeit einer der im jeweiligen Regelwerk ausgebildeten Schiedsrichter herbei geläutet werden, die in mehreren, über den Parcours verteilten Baumhäusern wohnen, um jederzeit zeitnah am Einsatzort sein zu können.
Die Laben am Leistungsschützenparcours sind mit stillem Mineralwasser, frischem Obst und Omega-3 reichen Lebensmitteln zur Förderung der Konzentration gefüllt.

Der „Jagd-Simulations Bogenparcours“

Dieser Parcourstyp ist für echte Jäger und alle, die es werden wollen. Kein künstlicher Backstop beleidigt hier den Jägerblick! Fotos vom Ziel an den Pflöcken braucht es nicht – vielmehr wären sie eine Kränkung für den stolzen Waidmann! Selbstverständlich steht jedes Stück in einer der realen Bogenjagd angemessenen Entfernung.
Die Szenerie gleicht einem Werbefilm für Jagdurlaube, das Wild präsentiert sich eingebettet in ein passendes Umfeld, mal einzeln, mal in der Gruppe, mal schnürend, mal einfahrend, mal windend, mal abspringend, mal balzend, mal sichernd. Dieser Parcours ist nicht nur für das Bogenschießen da, sondern auch um Anblick zu genießen.
Halali und Horrido* hört man von allen Seiten, wenn sich die in Loden gekleideten Parcoursbesucher begrüßen.

Der „Ich bin von allen der extremste Parcours“

Dies ist der Parcours für die wirklichen BogenschützInnen. Diejenigen, denen alle anderen Parcours einfach zu fad sind. Da steht der Pflock nicht immer in schwierigem, sondern schwierigstem Gelände. Kein Ziel ist zu klein, um nicht noch ein Stück weiter weg gestellt werden zu können. Freie Sicht darauf braucht kein Mensch. Es genügt zu wissen, dass irgendwo dort vorne, hinter einem Wall aus Zweigen und von einem Baum und einem Stein rechts und links verdeckt, ein kleines Stück vom Brustkorb des Tieres zu sehen ist. Nicht was man sieht, trifft man, sondern das, von dem man weiß, dass es da ist. Irgendwo.
Der Schütze auf diesem Parcours will gefordert werden! Nicht nur bei den Schüssen selbst, sondern auch durch die Wegführung. Durch jedes Schlammloch muss er mindestens einmal durch und jede Steigung mindestens viermal hoch. Wem das nicht passt, der ist kein richtiger Bogenschütze. Nur die Harten kommen in den Garten*!

Und deshalb sind nun so viele Bogenparcours sch…

Weil einfach jeder Bogenschütze einen der oben genannten Parcourstypen eher bevorzugt. Oder gerne seine ganz individuelle Mischung daraus hätte. Die eierlegende Wollmilchsau gibt es bei Bogenparcours genauso wenig wie beim Material oder sonst irgendwo. Irgendwas zum Meckern findet man sowieso immer.
Und das ist auch okay: Man kann das eine besser und das andere schlechter finden. Man kann das auch sagen. Man sollte nur nicht vergessen, dass es eben die persönliche Vorliebe ist, die hier bewertet. Dann geht man einfach am häufigsten auf den Parcours, der einem am meisten entspricht und nimmt sich aus anderen das raus, was man sich eben herausnehmen kann. Weil jeder Bogenparcours auf seine eigene Weise schön ist.

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