Entfernungen schätzen beim Bogenschießen

Entfernungen möglichst genau und in einer Maßeinheit schätzen zu können, ist beim Bogenschießen für Visier- und Systemschützen von sehr großer Wichtigkeit. Intuitive Schützen müssen die Entfernung nicht in Metern schätzen können, tun aber gut daran, trotzdem ein ausgeprägtes Gefühl für Distanzen zu entwickeln. Mehr zur speziellen Thematik intuitiv Bogenschießen und Entfernungen findest Du am Ende des Beitrags.

Herangehensweisen beim Entfernungen schätzen

Wer Entfernungen schätzen möchte, kann sich verschiedener “Tricks” bedienen. Am häufigsten sind:

Daumensprung:

Dabei wird die Schulter zum Ziel gedreht, der Arm aus – und der Daumen in die Höhe gestreckt und ein Auge geschlossen. Nun öffnet man ein Auge und schließt das andere. Dabei “springt” der Daumen am Ziel scheinbar. Die Strecke, um die der Daumen gesprungen ist, wird x10 multipliziert und ergibt so die ungefähre Entfernung zum Ziel.
Wird anstatt des Daumens ein dünner Gegenstand – beispielsweise die Pfeilspitze – verwendet, erhöht dies die Genauigkeit. Testet man die Methode für die eigene Anatomie ausreichend aus, bzw. passt dem Multiplikator an, und kennt zudem noch die Größen vieler 3D-Ziele auswendig um Referenzwerte für die “gesprungene Strecke” zu haben, erlaubt diese Methode mit ausreichend Übung sehr genaue Ergebnisse.

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Etappenschätzungen:

Kürzere Entfernungen sind einfacher zu schätzen als weitere. Entsprechend kann die Entfernung beispielsweise in einzelne Etappen zwischen markanten Punkten unterteilt und die jeweiligen Schätzungen zusammengezählt werden.
Wer zehn Meter oder auch andere Entfernungen sehr genau abschätzen kann, kann versuchen festzustellen, wie oft diese Etappe in die Gesamtdistanz passt.
Eine weitere Möglichkeit besteht auch darin, die Gesamtstrecke zu halbieren und das Schätzergebnis x2 zu nehmen – allerdings verdoppelt sich hierbei auch eine Fehleinschätzung.

Eingabeln:

Bei dieser Hilfsmethode wird überlegt, wie weit und wie nah das Ziel maximal entfernt sein kann und hernach die Mitte zwischen diesen beiden Entfernungen als Referenzwert genommen.

Orientierungshilfe WA und IFAA Distanzen:

Sind Parcours nach WA oder IFAA gestellt kann dies eine Hilfe beim Entfernungsschätzen sein. Nach WA liegt die Maximalentfernung für Compoundschützen bei 45 Metern, für alle anderen Bogenklassen bei 30 Metern.
Nach IFAA hängt die Maximaldistanz von der jeweiligen Tiergruppe ab, die sich nach maximalen vertikalen Durchmesser der Trefferzone (Lunge)richtet. Wer die 3D Ziele kennt und weiß in welche Gruppe sie gehören, weiß auch die Maximaldistanzen:

Gruppe 1: Durchmesser größer als 250 mm – 60Yard (54,86 Meter)
Gruppe 2: Durchmesser zwischen 201 und 250 mm – 45Yard (41,15 Meter)
Gruppe 3: Durchmesser zwischen 150 und 200 mm – 35Yard (32 Meter)
Gruppe 4: Durchmesser kleiner als 150 mm – 20Yard (18,29 Meter)

3D Bogenschießen

3D Bogenschießen

 

 

 

 

 

 

 

​3D Bogenschießen am Parcours stellt den Schützen vor eine ganze Reihe zusätzlicher Herausforderungen. Durch das Gelände erschwerte Körperhaltungen, steile Winkelschüsse, Täuschungen bezüglich der Entfernung und Lage der Trefferzone, sowie eine ganze Reihe mentaler Herausforderungen, machen das 3D Bogenschießen zu einer einzigartigen Disziplin im Bogensport. Dieses Handbuch führt ...

Trainieren von Entfernungsschätzungen

Entfernungen schätzen ist gleich Wahrnehmungstraining. Wird nun eine Entfernung geschätzt, muss das Ergebnis überprüft werden. Dies geschieht am leichtesten mit einem Entfernungsmesser*. Lag die Schätzung daneben, ist es von immenser Wichtigkeit sich zu überlegen, welche Faktoren zu einer Fehleinschätzung geführt haben. Auch, wenn man dabei nicht immer gleich zu einer klaren Schlussfolgerung kommt, lernt man im Laufe der Zeit doch, welche Faktoren zu einem Über- oder unterschätzen von Entfernungen führen.
In der Hauptsache laufen Täuschungen immer auf das Prinzip “Deutlich scheint näher, undeutlich scheint ferner”, hinaus, wobei sich jedoch die Faktoren, die zu dem einen oder anderen führen, oft miteinander mischen und es eben vom Erfahrungsschatz des Schützen abhängt, ob und wie stark er einer Fehleinschätzung erliegt.

Entfernungen schätzen und intuitiv Bogenschießen

Wie oben erwähnt, muss ein intuitiver Schütze Entfernungen nicht in einer Maßeinheit schätzen können. Er profitiert jedoch von einer gut geschulten Entfernungswahrnehmung, da ansonsten auch die Intuition von einer falschen Wahrnehmung ausgehen kann.
Es ist einer der größten Irrtümer im Bereich des intuitiven Bogenschießens, dass ein gänzlich intuitiver Schuss auch ein völlig fehlerfreier Schuss ist. Dabei muss man nicht unbedingt Kahneman gelesen haben* um zu wissen wie unser Gehirn mit Informationen umgeht.
Vielmehr macht jeder intuitive Schütze früher oder später die Erfahrung, dass er massiv zu hoch oder zu tief abgekommen ist, obwohl der Winkel vom Gefühl her hätte passen müssen und auch der Bewegungsablauf fehlerfrei geschehen ist. In diesem Fall war also die intuitive Wahrnehmung des Schützen in Bezug auf die Entfernung schlicht falsch.

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Intuition beruht auf Erfahrung

Die Erfahrungen, welche das Gehirn benötigt, um intuitiv die Entfernungen einschätzen zu können, werden natürlich im Laufe der Zeit auch unbewusst gesammelt. (Einer der wichtigsten Faktoren ist hier übrigens das Größenverhältnis zwischen Ziel und dem was der Schütze unscharf im Blickfeld vor sich hat – also Pfeilspitze, Bogen, Bogenhand)
Entfernungen schätzen zu üben, respektive die Entfernungswahrnehmung zu trainieren, beschleunigt diesen Lernprozess. Ein gerade für intuitive Schützen geeignete Methode findest Du im Video am Ende dieses Beitrags vorgestellt.

Kann Entfernungen schätzen dem intuitiven Schießen nicht auch im Weg sein?

Entfernungen schätzen sollte von intuitiven Schützen als spezielle Übungseigenheiten, nicht als Dauerleistung vor jedem Schuss angewandt werden. Eine Übungsschätzung sollte auch immer angestellt werden, wenn die Intuition in Bezug auf die Entfernung – wie oben beschrieben – deutlich daneben lag. Wichtig ist hierbei vor allem herauszufinden, welche Faktoren zu dieser Fehleinschätzung geführt haben.

Wissen um die Entfernung und intuitives Schießen schließen einander nicht aus

Prinzipiell schließen sich bekannte Entfernungen und intuitives Schießen nicht aus. So gut wie jeder intuitive Schütze trainiert ja auch am Einschießplatz von 3D Parcours oder auf Scheibenanlage, wo in den meisten Fällen die Entfernung bekannt ist. Und schießt – respektive zielt – dort ganz intuitiv. Aber da sind wir schon wieder bei einem ganz anderen Thema, welches Du hier nachlesen kannst: https://intuitivbogen.at/intuitiv

Video zum Entfernungen schätzen für intuitive Bogenschützen

Unten findest Du noch ein Video zum Trainieren der Entfernungswahrnehmung für das intuitive Bogenschießen.

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