Pfeilfang

Ein Pfeilfang dient sowohl der Sicherheit als auch der Schonung des Materials beim Bogenschießen. Von Pfeilfangnetzen über Pfeilfangmatten bis hin zu Pfeilfangwänden gibt es eine Reihe von Möglichkeiten die sich in Kosten, Aufwand und Zuverlässigkeit unterscheiden.

Rechtliche Vorschriften für einen Pfeilfang (Österreich)

Bevor wir uns die Möglichkeiten für einen Pfeilfang im Detail anschauen, werfen wir einen Blick auf die rechtliche Lage – mit der Betreiber von Bogensportanlagen in Österreich vor einer gewissen Problematik stehen. Es gibt kein einheitliches Genehmigungsverfahren für Bogensportanlagen und keine klaren gesetzlichen Vorschriften für die zu verwendenden Materialien.
Einziger Anhaltspunkt ist die “ÖNORM S1244 – Sportschießstätten für Pfeil und Bogen”. Diese ist für eine Ö-Norm überraschend dünn, dafür aber – kleiner Seitenhieb – unverschämt teuer.
Ö-Normen sind ihrem Wesen nach Empfehlungen und keine Rechtsvorschrift, definieren aber den aktuellen Standard und bieten somit eine gewisse Sicherheit für den Anwender.
Die Ö-Norm S1244 äußert sich zum Pfeilfang für Scheibenschießplätze im Freien wie folgt:

“4.4.1 Sicherheitsbereich
Wenn hinter den Zielobjekten kein Schießbahnabschluss gemäß 4.4.2 vorhanden ist bzw. errichtet werden kann, ist der Sicherheitsbereich auf 50 m hinter den Zielobjekten auszudehnen (gemäß Bild A.1). Die in Bild A.1 dargestellten seitlichen Sicherheitsbereiche sind nur dann vorzusehen, wenn keine Seitensicherungen (Material und Höhe gemäß 4.4.2) vorhanden sind. Der gesamte Sicherheitsbereich, mit oder ohne Schießbahnabschluss und Seitensicherungen, ist bei nicht ausreichender Einsicht durch den Schützen auf allen Seiten gegen unerlaubtes Betreten zu sichern.

4.4.2 Schießbahnabschluss
Als natürliche Schießbahnabschlüsse können zB Berghänge, Wände von Steinbrüchen oder Kiesgruben dienen.
Künstliche Schießbahnabschlüsse in Form von Erdwällen, Mauern, mindestens 12 mm dicken Weichholzbrettern, handelsüblichen Pfeilfangnetzen oder gleichwertigem Material, Höhe mindestens 3 m, sind mindestens 5 m hinter den Zielobjekten zu errichten.
Bei hartem Material, wie zB Mauern oder Steinbruchwände, ist davor zum Schutz der Pfeile entsprechend weiches Material anzubringen.”

(Hinweis: Meine Ö-Norm stammt aus 2020. Irgendwo habe ich mal läuten hören, dass Pfeilfangnetze in dieser Formulierung angeblich aus der Norm gestrichen werden sollen, da nicht sicher genug. Wer sicher sein will, sollte sich also die aktuelle Ö-Norm besorgen: https://shop.austrian-standards.at/action/de/public/details/410071/OENORM_S_1244_2012_01_01 

Wir wissen jetzt also, dass ein Pfeilfang aus Weichholz mindestens 12 mm dick sein und der Pfeilfang mindestens 3 Meter hoch und nicht weiter als 5 Meter vom Zielobjekt entfernt sein soll. Die Bezeichnung “handelsüblich Pfeilfangnetze oder gleichwertige Materialien lässt natürlich einen gewissen Interpretationsspielraum zu, aber solange man Produkte kauft, die explizit als Pfeilfang ausgewiesen werden, wird man damit halbwegs auf der sicheren Seite sein.

Saugut

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Das Pfeilfangnetz, der bekannte und nicht immer zuverlässige Pfeilfang-Klassiker

Ein fein gewebtes Netz aus widerstandsfähigem Kunststoff ist der klassische Pfeilfang. Solche Pfeilfangnetze sind in unterschiedlichen Stärken und Qualitäten erhältlich. Die Standard-Höhe solcher Netze beträgt meist 3 Meter, es werden zuweilen aber auch höhere Netze angeboten. Die Breite ist meist individuell bestellbar. Die Montage kann einfach mithilfe eines zwischen zwei Bäume oder Stangen gespannten Drahtseils erfolgen.
Die Qualität eines solchen Pfeilfang-Netzes im Vorfeld zu beurteilen ist kaum möglich. Es gibt – meines Wissens nach – kein Zertifikat oder ähnliches welches eine gewisse Wiederstandkraft eines solchen Pfeilfangs garantiert. Als ungefähren Indikator kann man das Gewicht des Pfeilfangnetzes pro m² in Betracht ziehen. Je schwerer, desto widerstandsfähiger wird das Netz meist sein – die Eigenschaften unterschiedlicher Materialien mal außen vor gelassen.

Pfeilfangnetze werden früher oder später löchrig

Ein einzelnes Pfeilfangnetz bietet keine 100% Sicherheit. Früher oder später geht der erste Pfeil durch – und man weiß nie, wann dies passieren wird. Vor allem ein Pfeilfang, der das ganze Jahr über draußen hängt, kann durch Kombinationen von Witterungseinflüssen mitunter in recht kurzer Zeit plötzlich brüchig werden.

Ein Pfeilfangnetz richtig aufhängen und doppelte Sicherheit

Vielfach werden Pfeilfangnetze falsch montiert. Auch das beste Fangnetz lässt sich leicht durchschießen, wenn es straff gespannt ist! Aus diesem Grund soll ein Pfeilfangnetz faltig und frei hängend montiert werden. Dies bedeutet auch, dass für die abzusichernde Breite in etwa doppelt so viel Pfeilfangnetz benötigt wird.
Darüber hinaus gilt: Doppelt hält besser! Ein zweites Pfeilfangnetz ungefähr eine Pfeillänge hinter dem ersten sorgt für doppelte Sicherheit.

Ein als vom Hersteller mit “ultra safe” benanntes Pfeilfangnetz findest Du unter diesem Link.*

Pfeilfangnetze preisgünstig?

Angenommen man hat eine Scheibe mit einem Meter Durchmesser im Garten stehen und möchte noch 1,5 Meter Sicherheitsbereich je links und rechts neben der Scheibe, so benötigt man für 4 Meter Absicherung ca. 8 Meter Pfeilfangnetz. Hält sich der Nachbar oft im Garten auf und man möchte doppelte Sicherheit haben, ist man schon bei 16 Meter Pfeilfangnetz. Der Meterpreis dürfte im Schnitt irgendwo zwischen 30 und 50 Euro liegen. Sind dann also ein paar hundert Euro für einen Pfeilfang der früher oder später durchlässig wird, keine hundertprozentige Sicherheit bietet und ausgetauscht werden muss.
Nicht das bei der Sicherheit gespart werden sollte – aber stattdessen gleich einen massiven, dauerhaften Pfeilfang wie unten beschrieben zu errichten, sollte zumindest in Erwägung gezogen werden.

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Pfeilfangmatte

Eine Alternative zum Netz als Pfeilfang stellen Matten dar. Solche Pfeilfangmatten bestehen meist aus Filz oder ähnlichen Materialien. Bei Pfeilfangmatten ergibt sich dieselbe Problematik wie oben beschrieben: Irgendwann sind sie durch und man weiß nie wann. Insbesondere im Freien können Pfeilfangmatten – wieder in Abhängigkeit von ihrer Witterungsbeständigkeit – mitunter relativ schnell brüchig werden und lassen Pfeile dann leicht durch. Auch Pfeilfangmatten sollten eher hängend und nicht gespannt montiert werden.

Der Meterpreis für solche Matten liegt meist über denen von Netzen. Klicke hier, um ein Beispiel einer solchen Matte zu sehen.*

Kreative Alternativen zum Pfeilfang-Matten und Netzen

Prinzipiell lässt sich natürlich alles als Pfeilfang aufhängen, was irgendwie in der Lage ist die Pfeile zuverlässig zu stoppen. Einige häufig genannte Alternativen:

Gartenflies, Teichfolie

Je nach Ausführung können solche Materialien durchaus eine Alternative sein! Sie sind meist relativ witterungsbeständig und haben mitunter ähnliche Eigenschaften wie Pfeilfangmatten und Pfeilfangnetze. Man kann durchaus einmal in die Gartenabteilung im Baumarkt gehen und schauen, was sich Material-mäßig so anbietet.
Einen kleinen Überblick findest Du auch unter diesem Link.*

Gummimatten

Gummimatten mit einigen Millimetern Stärke und eventuell noch Gewebeeinlagen halten Pfeile ausgezeichnet! Allerdings bekommt man Pfeile, sobald die Spitze die Matte durchdringt, nur sehr schwer aus solchen Matten. Preisgünstig sind gute Gummimatten auch nicht unbedingt. Wer aber eventuell Zugang zu gebrauchten, günstigen Gummimatten hat, kann sie als Alternative in Erwägung ziehen.

Geheimtipp! Feuerwehrschläuche als Pfeilfang!

Ausrangierte Feuerwehrschläuche können in Bahnen mit der gewünschten Länge geschnitten und dann als eine Art Streifen-Vorhang aufgehängt werden. Es empfiehlt sich dabei, die Schläuche in zwei Reihen so hintereinander zu hängen, dass sie sich gegenseitig überlappen. Auch hier sollten der Vorhang frei hängen. Dann halten die Schläuche die Pfeile, die häufig einfach von dem starken Gewebe abprallen, ganz ausgezeichnet. Neue Schläuche sind teuer, aber man kann die Feuerwehren in der Gegend durchtelefonieren und fragen, ob sie ausgemusterte Schläuche günstig abgeben würden.

Besser Bogenschießen mit Mentaltraining

Dieses Buch bietet aktiven Bogenschützen die Möglichkeit, selbstständig an ihrem mentalen Setup zu arbeiten. Entgegen der Annahme vieler Bogenschützen, können wir durchaus auf unseren mentalen Zustand einwirken und daran arbeiten, in unseren individuellen Optimalzustand für das Bogenschießen zu gelangen. Erst wenn...

Die dauerhafte Pfeilfangwand

Wer es möglichst sicher haben will, sollte einen dauerhaften, massiven Pfeilfang in Erwägung ziehen. Die einfachste Lösung ist hier sicherlich ein Pfeilfang aus Holzplatten. Ein paar Holzbalken und Schrauben dazu und eventuell noch ein paar Säcke Zement. Je nachdem wo man entsprechendes Material auftun kann, liegen die Kosten möglicherweise noch unter dem eines Pfeilfangnetzes. Schießt man wirklich so oft daneben, dass das Holz einmal durchgeht, lässt es sich einfach mit einer weiteren Holzplatte reparieren.

Pfeilfangwand mit Dämmplatten

Dämmplatten sind als Zielscheiben relativ ungeeignet, da sie sich relativ schnell auflösen und Reste davon gerne mal auf den Pfeilen kleben bleiben. Als zusätzliches Material für die Pfeilfangwand, die ja – hoffentlich – nicht unter Dauerbeschuss steht, eignen sie sich jedoch sehr gut. Auf diese Weise werden Pfeile und Holz geschont.

Pfeilfangwand aus Heuballen

Wer einen Bauern in der Nähe hat, kann sich überlegen, diesem einige große, runde Heuballen abzukaufen und zu einer Wand aufzustellen. Die Dinger halten Pfeile für einen gewissen Zeitraum sehr gut, allerdings mit dem Nachteil, dass die Pfeile um so weiter in den Ballen verschwinden je älter sie werden.

Der gute alte Erd-Pfeilfang

Wer einen Baggerfahrer* als Freund und ein Grundstück hat, wo man sowas machen kann, lässt sich einfach einen schönen Hügel aufschütten. Der hat dann auch den Vorteil, das man in die umgekehrte Richtung bergab Bogenschießen üben kann.

In diesem Sinne, alle ins Gold, alle ins Blatt!

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