Zielen beim Bogenschießen ohne Visier

Um beim Bogenschießen ohne Visier zielen zu können, gibt es unterschiedliche Möglichkeiten. Die folgenden Zieltechniken werden häufig bei Bögen ohne Visier, beim Schießen ohne String- oder Facewalking angewandt. Dabei ist zu beachten, dass diese teilweise auch in Kombination miteinander und sowohl als systematische, als auch gefühlsmäßige Methoden verwendet werden.

Das intuitive zielen

Beim intuitiven Bogenschießen erfolgt das Zielen intuitiv. Der Blick ist auf den zu treffenden Punkt fokussiert, Pfeil und Bogen, respektive der Schütze mit seinem ganzen Körper, kommt intuitiv in die richtige Haltung. Die Position der Pfeilspitze und anderer markanter Punkte wird nicht bewusst beurteilt.
Die intuitive Zielmethode beruht auf Erfahrung, lässt sich also ausschließlich durch Übung erreichen. (Weshalb heute meist von intuitiv und nicht von instinktiv zielen gesprochen wird, da die Definition von Instinkt den Vorgang beim Bogenschießen nicht beschreiben kann)
Beim Erlernen der intuitiven Zielmethode wenden Bogenschützen jedoch automatisch einige der unten stehenden Zielmethoden an. Einigen Schützen ist dies bewusst, anderen nicht, aber alleine der Vorgang des Bogenschießen-Lernens an sich bedingt, dass einige Zielmethoden automatisch geschehen. (Mehr zum Thema Intuition erfährst Du auch hier)

Zielen mit Point of aim und Gap-Shooting

Die beiden Zielmethoden werden häufig als eigenständige Zielmethoden betrachtet, hängen jedoch eng zusammen. Mitunter wird das Zielen mithilfe von “Point of aim” als systematische Zielmethode bezeichnet, während Gap-Shooting als gefühlsmäßige Methode beschrieben wird. Es können jedoch beide Methoden systematisch oder gefühlsmäßig angewandt werden.

Zieltechnik Point of aim

Bei “Point of aim” dient die Pfeilspitze als Zielhilfe. Je nach Entfernung muss die Pfeilspitze in einem Bereich unter, auf oder über dem Ziel liegen. In der Regel stellt der Schütze den Blick dabei nur auf den Zielpunkt scharf und lässt die Pfeilspitze unscharf.
Schätzt oder misst der Schütze im Vorfeld genau die Entfernung zum Ziel und errechnet sich daraus den “point of aim”, handelt es sich um eine systematische Zielmethode.

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Zieltechnik Gap-Shooting

Wie oben bereits erwähnt, hängt die richtige Position der Pfeilspitze von der Distanz zum Ziel ab. Sobald Schützen eine konstante Schusstechnik beherrschen, können sie durch Versuch und Irrtum herausfinden, wie groß die jeweilige “Lücke” zwischen Zielpunkt und Pfeilspitze sein muss.
Da die meisten Schützen im Bereich von Kinn und Mund ankern und sich der Pfeil dadurch unter der Sichtachse befindet, liegt auf kürzere und mittlere Distanzen die Pfeilspitze immer unter dem Ziel. Das Schöne bei dieser Methode zum Zielen ist:

Der Schütze kann innerhalb einer gewissen Range immer denselben Gap verwenden!

Warum? Folgendes Beispiel: Der Schütze schießt bei seinem individuellen Setup auf zehn Meter dann genau ins Gold, wenn bei einer 90er Auflage die Pfeilspitze genau auf dem unteren, schwarzen Rand der Scheibe liegt. Entfernt er sich nun weiter von der Scheibe, dann “schrumpft” diese in der optischen Wahrnehmung des Schützen. Hält er nun aus 20 Metern Entfernung erneut auf den schwarzen Rand, bewegt sich seine Pfeilspitze etwas weniger weit nach unten als bei 10 Metern.
Dieser immer gleiche Gap funktioniert innerhalb des Bereiches, in dem die Flugparabel des Pfeils noch relativ flach ist.

Gap-Shooting auf weitere Distanzen

Gelangt der Schütze allmählich in dem Bereich, in dem der Pfeil bereits stark abzufallen beginnt, muss er beim Zielen seinen Gap anpassen. Dieser wird immer kleiner, bis zu dem Punkt, an dem die Pfeilspitze direkt auf dem Ziel liegt. (Siehe Nullpunkt) Danach erweitert sich der Gap nach oben.
Da der Pfeil immer schneller sinkt, je langsamer er wird, wird auch die notwendige Lücke immer schneller größer. Das kann beispielsweise einen ähnlichen Verlauf nehmen wie: Bis 30 Meter durchgehend unterer, schwarzer Rand der Scheibe, 35 Meter unterer blauer Rand, 40 Meter Nullpunkt, 45 Meter obererer blauer Rand, 50 Meter bereits 10 cm über der Auflage, 60 Meter 1,5 Meter über der Auflage.

Wie genau kann man mit Gap-Shooting zielen?

Gap-Shooting ermöglicht im kürzeren bis mittleren Distanzbereich sehr genaue Ergebnisse. Ab einer gewissen Entfernung ergibt sich ein Größenproblem: Die Pfeilspitze verdeckt sehr viel vom Ziel, es ist nicht mehr möglich, die Größe der Lücke exakt wahrzunehmen. Diese Schwierigkeit vergrößert sich noch, wenn die Pfeilspitze bereits weit über dem Ziel liegen muss und die Hand des Schützen zunehmend den zu treffenden Punkt verdeckt.
Eine weitere Schwierigkeit, wenn man mit dieser Methode zielen möchte, besteht in der Beurteilung der Größe des Gap. Diese fällt relativ leicht, wenn auf Zielscheibenauflagen in genormter Größe geschossen wird. Schwieriger wird es beim Schießen auf Tierattrappen am 3D Parcours. Fehleinschätzungen der Zielgröße können hier auch zu einer Fehleinschätzung der Gap-Größe beitragen.
Und zu guter Letzt muss ein Schütze für systematisches Gap-Shooting natürlich Entfernungen gut beurteilen können, seinen Nullpunkt und seine “persönlichen Gaps” kennen.

Gap Shooting als gefühlsmäßige Methode zum Zielen

Verhältnismäßig viele Schützen im intuitiven Bereich “halten erstmal drauf” und bewegen dann den Bogen nach oben oder unten, bis sie das Gefühl haben es passt. Es kann durchaus sein, dass dabei dem Gap an sich überhaupt keine Beachtung geschenkt wird und diese Vorgehensweise dem Schützen einfach nur hilft, zum “jetzt passt es Gefühl” zu kommen. Die Informationen die bei dieser Vorgehensweise im Gehirn ankommen, sind jedoch für die Intuition ausgesprochen nützlich: Die Pfeilspitze wandert bei ein und derselben Bewegung am Ziel um so weiter vom Ziel weg, je weiter das Ziel entfernt ist. Dies trägt – gemeinsam mit dem immer vorhandenen Größenverhältnis zwischen Pfeilspitze und Ziel – enorm dazu bei, dass der Schütze die Entfernung “ins Gefühl bekommt” und dann intuitiv richtig anhält.

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Wo ist der Unterschied beim Zielen zwischen Gap-Shooting und Point of aim?

Die Grenzen sind hier sehr fließend. Wer systematisch mit Point of aim zielt, der weiß letztlich natürlich auch, wie groß die Lücke ist und wer umgekehrt systematisch mithilfe der Gap zielt, kennt den Punkt, an dem sich die Pfeilspitze letztlich befinden muss.
Der Unterschied liegt in der Herangehensweise und am Fokus. Zumeist suchen sich Point of aim Schützen zuerst den betreffenden Punkt und richten ihren Bewegungsablauf von vornherein darauf aus. Der Fokus liegt alleine auf dem Punkt.
Schützen mit Gap Shooting richten sich oft erst auf das Ziel aus und “machen dann die Lücke”, wobei der Fokus meist auf der Lücke/ Lückengröße liegt. Es kann jedoch auch sein, dass sich der Fokus nach dem Einrichten der Lücke auf den Point of aim oder das Ziel verengt.

Intuitiv Zielen mit “Point of fokus” anstatt Point of aim oder Gap-shooting

Schützen die intuitiv zielen und dabei nicht oder nur sehr wenig auf die Pfeilspitze und damit auf den Point of Aim oder den Gap achten, verlagern zuweilen den Punkt, auf den sie sich fokussieren, vom eigentlichen Ziel weg. Meist geschieht dies bei weiter entfernten Zielen, die außerhalb der “intuitiven Komfortzone” liegen. Liegt der Fokus dann beispielsweise nicht mehr in der Herzmitte, sondern am Rücken des Ziels, kann der intutive Schütze mit dem gleichen “es passt jetzt Gefühl” schießen und der Pfeil landet trotzdem im Herz.
Dass sich das “es passt jetzt Gefühl” beim intuitiven Zielen auf weitere Distanzen ansonsten mitunter nur schwer einstellen kann, liegt daran, dass der Bogen den zu treffenden Punkt bereits verdeckt oder diesen zumindest ungewohnt nahe kommt und der Schütze nicht mehr ungestört darauf fokussieren kann. (Schwierig zu fokussieren=schwierige Auge-Hand Koordination)

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Kann man gefühlsmäßiges, systematisches und intuitives zielen abwechseln oder mischen?

Kurz nochmal zur Erklärung wie diese drei Begriffe an dieser Stelle gemeint sind:

Gefühlsmäßiges Zielen:

Der Schütze stellt zum Zielen keine genauen Entfernungsschätzungen an
Der Schütze nimmt seine Pfeilspitze oder Teile des Bogens oder der Bogenhand bewusst wahr.
Der Schütze legt im Vorfeld so ungefähr fest, wo sich Pfeilspitze oder andere Teile ungefähr befinden müssen oder wie groß die Lücke ungefähr sein muss, überlässt die genaue Ausrichtung aber seinem Gefühl.

Systematischen Zielen:

Der Bogenschütze schätzt oder misst die Entfernung im Vorfeld möglichst genau
Er nimmt seine Pfeilspitze etc. bewusst wahr.
Er bestimmt im Vorfeld anhand von Entfernung und Schusswinkel, wo genau sich seine Pfeilspitze etc. befinden müssen oder wie groß die Lücke sein muss.
Der Schütze “zielt hart” und löst, wenn er genau auf dem Punkt ist oder die Lücke genau passt, so wie vorher festgelegt.
(Auch beim systematischen Zielen ist das Lösen letztlich idealerweise ein Vorgang der “einfach geschieht”, da die wirklich 100% perfekte Ausrichtung aufgrund der Komplexität des Bogenschießens nur intuitiv erfolgen kann. Die Vorarbeit war jedoch wesentlich genauer und systematischer)

Intuitives Zielen:

Der Bogenschütze schätzt im Vorfeld keine Entfernung
Er nimmt die Pfeilspitze oder Teile des Bogens möglicherweise bewusst als Teil eines Gesamtbildes wahr, denkt aber nicht über deren Ausrichtung nach.
Er fokussiert auf den Punkt, den er treffen möchte und löst, wenn das Gesamtbild, respektive das Gefühl passt.

Was nun den Wechsel von einer Zieltechnik auf die andere betrifft, ist der Wechsel vom intuitiven Zielen zum gefühlsmäßigen und systematischen Zielen wesentlich einfacher als der umgekehrte Weg. Schützen die sich nie bewusst mit Point of aim oder Gap-Shooting auseinandergesetzt haben, wenden diese Techniken dennoch unbewusst an. Der Wechsel zum gefühlsmäßigen Zielen ist letztlich nicht mehr als ein Prozess der Bewusstwerdung und danach bewussten Ausführung einer “Zieltechnik nach Gefühl”. Es ist ab diesem Zeitpunkt die Entscheidung des Schützen, wie viel System er in seine Zieltechnik(en) bringt.

Der umgekehrte Weg, also vom systematischen Zielen zum ungefähren und letztlich intuitiven (unbewussten) Zielen ist schwieriger. Schützen die intuitiv begonnen und damit über einen längeren Zeitraum gut getroffen haben und sich dann ein wenig mit gefühlsmäßigen Zieltechniken auseinandersetzen, finden meist relativ einfach auch wieder in eine intuitive Zieltechnik zurück.

Umgekehrt fällt es Schützen, die von Anfang an auch eine systematische Zielmethode erlernt haben, relativ schwer, in ein komplett intuitives Schießen zu kommen. Der Grund hierfür liegt darin, dass sich auch der Vorgang des Zielens – genauso wie alle anderen Vorgänge beim Bogenschießen – sehr rasch automatisieren. Das Einbeziehen der Position der Pfeilspitze am Ziel in Abhängigkeit von der Entfernung ist also mit automatisiert – und es sein zu lassen und sich nur noch auf das Ziel zu fokussieren ist mindestens genauso schwer wie einen im Muskelgedächtnis verankerten, körperlichen Bewegungsablauf umzustellen.

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Ein Zusammenhang zwischen Gap/Point of aim und Intuition

In der Praxis bewegen sich die meisten “intuitiven” Schützen irgendwo zwischen intuitiver und “unter Einbeziehung einer ungefähren Entfernungswahrnehmung systematischer Zieltechnik”. Sehr häufig beziehen Schützen die Pfeilspitze oder andere markante Punkte von Bogen und Bogenhand umso stärker bewusst ins Zielen mit ein, je weiter die Entfernungen werden.
Betrachten wir nun folgendes: Wie oben erwähnt, funktioniert innerhalb eines gewissen Distanzbereiches auch immer der annähernd selbe Gap, respektive derselbe Point of aim. Für den intuitiven Schützen bedeutet dies, dass sich ihm in diesem Distanzbereich ein in den wesentlichen Aspekten immer gleiches Gesamtbild ergibt.

Soll heißen: Das Ziel wird mit zunehmender Distanz zwar immer kleiner und die Pfeilspitze deckt immer mehr vom Ziel ab, die Position der Pfeilspitze am Ziel bleibt an sich jedoch mehr oder weniger gleich. Auch wenn der Schütze nicht bewusst darauf achtet, tut es sein Unterbewusstsein sehr wohl. Schießt der Schütze nun erstmals außerhalb des Bereiches, indem derselbe Gap/Zielpunkt funktioniert, stellt er fest, dass sein Pfeil trotz des “so passt es-Gefühls” nicht dort landet, wo er soll. Das Gehirn muss ab hier neue Erfahrungen sammeln bis es für die jeweilige Entfernung das notwendige und nun in den wesentlichen Aspekten neue, passend “zielführende” Gesamtbild gefunden hat.

Da nun, wie oben beschrieben, die Gaps um so schneller um so größer werden je weiter die Ziele entfernt stehen, muss auch das Gehirn umso mehr neue Zielbilder anlegen, bevor es den Schützen intuitiv sicher und reproduzierbar in die richtige Position leiten kann. Je größer die Auswahlmöglichkeiten, desto wahrscheinlicher ist auch, dass die falsche Auswahl getroffen wird. Hinzu kommt, dass unser Gefühl für Entfernungen immer schlechter wird, je größer diese sind.
In diesem Zusammenhang könnte man einwenden, dass unsere Intuition ja genau dafür da ist: Sie ist Expertin darin, enorm komplexe Informationen in Rekordzeit zu verarbeiten und ohne Beteiligung des diskursiven Verstandes eine Lösung zu präsentieren.
Dennoch wird es ab gewissen Distanzen auch für die Intuition – die auf Erfahrung beruht – immer schwerer ein richtiges Ergebnis zu liefern. Wer also weite Distanzen intuitiv zielen möchte, braucht enorm viel Übung.

Split Vision – Die Hilfsmethode zum Zielen

Split Vision ist eine Hilfsmethode, bei welcher zusätzlich bewusst die Lage des Pfeils wahrgenommen und beurteilt wird. Diese gibt Aufschluss darüber, ob die Flugparabel zur Entfernung des Ziels passt und unterstützt auch ein wenig die seitliche Ausrichtung. Voraussetzung ist, dass dem Schützen durch Übung und Beobachtung die Flugparabel seines Pfeils bekannt ist und er sie sich vorstellen kann. (Um so schwieriger je schneller das Setup ist)
Split Vision kann nur eine Hilfsmethode sein, da die Flugbahn des Pfeils irgendwo enden muss, wofür zusätzlich ein Point of aim/Gap nötig sind. 

Soll man zielen lernen oder nicht? 

Zum Schluss stellt sich dem einen oder anderen hier vielleicht die Frage, ob er zielen lernen soll oder nicht oder ob er von bisher nur gefühlsmäßig angewandten Zieltechniken zu systematischen Zieltechniken wechseln soll. Und das ist in der Tat eine diffizile Frage!

Wer nur mit einer ungefähren, gefühlsmäßigen Methode zielt und den Rest seiner Intuition überlässt oder auch gänzlich intuitiv schießt, hat den Vorteil des “befreiten Schießens”. Er erspart sich den mentalen Aufwand Entfernungen genau schätzen und seinen Zielpunkt oder seine Lücke genau festlegen zu müssen. Innerhalb des Entfernungsbereichs, indem er regelmäßig trainiert, wird er – saubere Schießtechnik natürlich immer vorausgesetzt – sehr gute Ergebnisse erzielen können. Die Fehleranfälligkeit in Bezug auf die Höhe der Trefferlage liegt hier vor allem in Täuschungen in Bezug auf die Entfernung, respektive “falsch” wahrgenommener Zielbilder welche die Intuition dazu verleiten, von den falschen Voraussetzungen auszugehen. Faktoren können hier vor allem beim 3D schießen diverse Licht- und Landschaftsverhältnisse und falsch wahrgenommene Zielgrößen sein. Ein systematisches Zielen könnte hier – durch bewusstes Wahrnehmen der Entfernung und ermitteln eines Zielpunktes – die Fehleranfälligkeit reduzieren.

Umgekehrt verlangt ein systematisches Zielen mehr mentale Arbeit vom Schützen. Er muss vor jedem Schuss die Entfernung schätzen und seinen Zielpunkt festlegen. Unter Umständen führt auch eine Fehleinschätzung der Entfernung zu einem falschen Haltepunkt, während die Intuition noch automatisch korrigiert hätte. Da systematisches Zielen auch mehr mentale Energie verbraucht, wird der Schütze diesbezüglich möglicherweise zu früh müde.

Wieder andererseits, erspart sich ein systematisch zielender Schütze der seine Zielpunkte bis beispielsweise IFAA Maximaldistanz von 55 Metern kennt, diverse Unsicherheiten die ein intuitiver Schütze, der nicht bereits viel auf hohe Distanzen trainiert hat, verspürt. 

Wir drehen uns also mehr oder weniger im Kreis.

Abschließend lässt sich wahrscheinlich sagen, dass im Bereich des Schießens mit Bögen ohne Visier und ohne Abgreifen der Sehne und immer gleichen Ankerpunkt, sowohl mit systematischem Point of aim/ Gap shooting, als auch mit ungefährer Zieltechnik und intuitivem Schießen, innerhalb der IFAA-Distanzen gleich gute Ergebnisse möglich sind – wenngleich die Lerndauer bei bewusster Anwendung einer Zieltechnik in der Regel kürzer sein wird.

Anders verhält es sich beim Blankbogenschießen mit String-Walking. Da hierbei mit der Spitze genau ins Ziel gezielt werden kann, fallen Fehler die aus einem trotz richtiger Entfernungsschätzung irrtümlich falsch gewähltem Point of aim resultieren weg. Von allen Zielmethoden mit Bögen ohne Visier ist String-Walking sicherlich die genaueste – darf in der “Instinktivbogen-Klasse” bei Bewerben aber eben nicht angewendet werden. 

Saugut

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Fazit zum Zielen am Ende

Wenn Du Dich mit Zieltechniken beschäftigen und sie – mehr oder weniger – systematisch erlernen möchtest, dann mach das einfach.
Wenn Du es nicht möchtest und Dich mit intuitivem Schießen (unbewusstem Zielen 😉 ) wohlfühlst, dann belasse es dabei.

So oder so: Alle ins Gold, alle ins Blatt! Unten findest Du noch ein Video zur Zielmethode Gap-Shooting

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