Intuitives Bogenschießen mit ausschließlicher Beachtung des Ziels, intuitives Zielen, Systemschießen, Visierschießen

Immer wieder kommt es zu Diskussionen, was denn intuitives Bogenschießen eigentlich sei. Im Folgenden beschreibe ich vier Formen des Bogenschießens, wie sie in der Praxis vorkommen können.
Im Abschnitt “Problem der Abgrenzung” wird erklärt, warum sich die ersten beiden Formen nicht immer scharf voneinander abgrenzen und sich auch die zweite und dritte Form fallweise miteinander vermischen können.

Intuitives Bogenschießen mit ausschließlicher Beachtung des Ziels

In diesem Fall nimmt der Schütze nur das Ziel wahr, Wahrnehmungen von Pfeil und Bogen werden vom Gehirn entweder ausgefiltert oder vom Schützen in keiner Weise beachtet. Der Vorgang des Schießens erfolgt dann rein nach Gefühl, ohne dass dem Verhältnis von Pfeil und/oder Bogen zum Ziel irgendwelche Beachtung geschenkt wird.

Intuitives Zielen

Der Schütze ist sich seiner Wahrnehmung von Pfeil und/oder Bogen bewusst und zielt damit nach Gefühl. Sprich: Er hält Pfeilspitze oder Teile des Bogens bewusst nach Gefühl – intuitiv – höher oder tiefer oder orientiert sich bewusst über die Lage des Pfeils und seiner gedachten Flugbahn.
Der Schütze hat im Vorfeld jedoch KEINE Entfernung geschätzt oder gemessen und sich darauf aufbauend einen entsprechenden Haltepunkt ausgerechnet. Wohl aber, kann der Schütze aufgrund seiner Erfahrungen – beispielsweise durch das häufige Training auf bekannten Distanzen – trotzdem wissen, wo seine Pfeilspitze oder andere Teile des Bogens liegen müssen, damit er ein Ziel trifft.

Zielen beim Bogenschießen ohne Visier

Zielen beim Bogenschießen ohne Visier, Taschenbuch, e-book

Wer einen Bogen ohne Visier verwendet, muss deshalb nicht auf das Zielen verzichten. Dieses Buch erklärt die verschiedenen Methoden, mit denen beim Bogenschießen genau gezielt werden kann. Interessierte können verstehen, wie genau das Prinzip funktioniert und welche Faktoren das Zielen beeinflussen. Mithilfe der genauen Beschreibungen können sie sich ihre individuelle Zielmethode erarbeiten. Bilder im Bildanhang erleichtern das Verständnis der erläuterten Methoden.

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Systemschießen

Beim Systemschießen wird ein wie auch immer geartetes System aufgrund einer geschätzten, gemessenen oder bekannten Entfernung angewandt. Der Schütze hat sich im Vorfeld ein System für die infrage kommenden Entfernungsbereiche ausgeschossen und wendet dieses in Form von gap/point of aim shooting, Stringwalking, Facewalking oder einer Kombination daraus an.

Visierschießen

Es wird ein Visier verwendet, welches auf die gemessene, bekannte oder geschätzte Entfernung eingestellt, bzw. der dafür gedachte Pin verwendet wird. Alternativ und ungenauer könnten auch Markierungen auf der dem Schützen zugewandten Seite des Bogens als Behelfsvisier verwendet werden. (Weshalb diese in den diversen Regelwerken ausgeschlossen sind)

Problem der Abgrenzung

In Bezug auf das intuitive Schießen und die Frage, ob Teile von Pfeil und Bogen vom Schützen bewusst wahrgenommen werden, muss zunächst festgehalten werden, dass die optische Wahrnehmung derselben an sich natürlich immer vorhanden ist. Nimmt der Schütze tatsächlich nur das Ziel bewusst wahr, liegt dies an der Fähigkeit des Gehirns, vorhandene Eindrücke ausfiltern zu können. Ob diese Filterung geschieht, lässt sich vom Schützen aber nur so weit beeinflussen, als dass er der Wahrnehmung Beachtung schenkt oder auch nicht. Einfach ein- oder ausschalten kann er sie jedoch nicht.

In weiterer Folge ist zu beachten, dass es gerade dem Anfänger kaum gelingen wird, die Wahrnehmung von Pfeil und Bogen komplett zu ignorieren. Immer wieder wird er sich neu ausrichten und bewusst etwas “höher oder tiefer” halten. Er versucht, intuitiv zu zielen. Ob er sich dabei nur an der Pfeilspitze, nur am Bogen, an mehreren Teilen oder am Gesamteindruck orientiert, spielt prinzipiell keine Rolle: Es handelt sich um intuitives Zielen.

Mit zunehmender Praxis, muss der Schütze schließlich immer seltener bewusst höher oder tiefer halten, da er von Haus aus in die richtige Haltung kommt. Hierbei kann sich auch zunehmen, das Gefühl einstellen, tatsächlich nur noch das Ziel zu sehen. In der Regel funktioniert dies innerhalb eines gewissen Distanzbereichs. Muss der Schütze dann einmal einen wesentlich weiteren oder auch wesentlich kürzeren Schuss abgeben, den er gefühlsmäßig bisher nicht abgespeichert hat, tut er dasselbe wie der Anfänger in der Lernphase: Er hält mal bewusst etwas höher oder tiefer, zielt also intuitiv.

Insofern fließen das, was hier intuitiv Schießen und intuitiv Zielen genannt wird, immer wieder einmal ineinander. Ebenso ist die Genauigkeit, mit der intuitiv gezielt wird, bei Schützen unterschiedlich. Der eine mag sich vielleicht relativ eng auf das alleinige Verhältnis zwischen Pfeilspitze und Ziel konzentrieren, der andere sich eher über den Gesamteindruck von Pfeil und Bogen ungefähr orientieren. Aber beide führen einen intuitiven Zielvorgang aus.

Ferner ist nun auch die Grenze zwischen intuitiven Zielvorgängen und Systemschießen teilweise etwas unscharf. Schützen, die intuitiv über die Pfeilspitze zielen und häufig auf bekannte Distanzen trainieren, kennen eines Tages zwangsläufig die Größe ihrer Gaps, respektive ihre Haltepunkte. Selbst wenn der Schütze am 3D-Parcours die Entfernung dann nicht schätzt, wird er sie meist intuitiv wiedererkennen und seinen Haltepunkt dann möglicherweise auch bewusst festlegen.
Eher selten kommt es vor, dass Stringwalking oder Facewalking intuitiv angewandt werden. Dennoch gibt es zumindest einige Schützen, die zwei Ankerpunkte haben – einen für nahe und einen für weite Ziele – die aber keine Entfernung schätzen. Intuitives Facewalking sozusagen.
Und er Autor dieses Beitrags kennt zumindest eine Person, welche nach Gefühl hin und wieder den Griff an der Sehne verändert…

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“Religiöse” Diskussionen bezüglich intuitives Bogenschießen…

Liest oder hört man so manche Diskussion in Bezug auf intuitives Bogenschießen, hat man häufig das Gefühl, es handle sich bei intuitiven Bogenschützen um eine Religionsgemeinschaft und wer dazu gehören möchte, dürfe das Wort “zielen” nicht einmal denken, ohne dafür auf den Scheiterhaufen gestellt zu werden.
Zuweilen wird auch von manchen “intuitiven Schützen” gegen andere Schützen in derselben Bogenklasse gewettert, dass diese doch zielen würden und sie deshalb bei Bewerben einen Vorteil hätten. Dazu mehr im nächsten Abschnitt.
Wie aus obigem hervorgeht, ist die Abgrenzung zwischen einzelnen Begrifflichkeiten oft nicht ganz einfach. Man sollte dies in der Diskussion berücksichtigen und auf Schwarz-Weiß-Aussagen verzichten. Letztlich ist der Zielvorgang – oder eben nicht-Zielvorgang – ohnehin nur ein winziger Teil vom Bogenschießen. Die Grundsätze des Bewegungsablaufes sind im Kern immer gleich – und nur wenn der Bewegungsablauf sauber ausgeführt wird, gelingt der Schuss.

Messer und Outdoor

Regelwerke in Bezug auf das Zielen

Kein Regelwerk verbietet das Zielen! Dies sollten alle bedenken, die sich darüber beschweren, dass intuitiv oder systematisch zielende Schützen bei Wettkämpfen (angeblich) besser treffen als intuitiv schießende Schützen.
Was Regelwerke regeln, sind Dinge, die kontrolliert werden können. Also beispielsweise, ob der Griff an der Sehne verändert werden darf (Stringwalking) oder ob mit einem oder mehreren Ankerpunkten geschossen werden darf (Facewalking). Geregelt wird auch, wie der Bogen auszusehen hat, ob Visiere oder Markierungen vorhanden sein dürfen oder eben nicht.
Ob aber die Entfernung geschätzt und systematisch mittels point of aim/gap gezielt werden darf, kann kein Regelwerk festschreiben – einfach, weil es nicht kontrollierbar ist.

Wer sich also auf den Schlips getreten fühlt, dass der zielende Schütze in derselben Bogenklasse besser trifft, sollte sich entweder von seiner “Religion” befreien und die ihm zur Verfügung stehenden Möglichkeiten nutzen oder einfach ein so guter intuitive Schütze werden, dass es egal ist. Wie nämlich die Praxis zeigt, übertreffen die Ergebnisse guter intuitiver Schützen zuweilen sogar jene der Blankbogenklasse mit Stringwalking.
In diesem Sinne: Trainieren gehen statt jammern 😉

Alle ins Gold, alle ins Blatt!

Poster zum Schussablauf

Auf diesem Poster ist die Kurzbeschreibung des Bewegungsablaufs beim Bogenschießen aus "Bogenschießen Schritt für Schritt" zu sehen. Der Druck auf hochwertigem Fotopapier hat eine Größe von 90x60cm. Damit eignet sich das Poster ideal als Veranschaulichung für das Anfängertraining in Vereinen.

Bogenschießen Schussablauf

Praxis und Vermittlung des achtsamkeitsbasierten Bogenschießens

Praxis und Vermittlung des achtsamkeitsbasierten Bogenschießens

Dieses Buch setzt Grundkenntnisse in Bezug auf das Bogenschießen an sich voraus und verfolgt das Ziel, die Verbindung von Achtsamkeit und Bogenschießen zu vertiefen sowie Menschen, die dies wiederum an andere weitergeben möchten, zu unterstützen.

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