Alles rund ums Thema Zuggewicht beim Bogen

Das Zuggewicht gibt an, welches Gewicht bei einer bestimmten Auszugslänge auf den Fingern des Schützen liegt. Oder anders ausgedrückt: Welches Gewicht an der Sehne hängen muss, um eine bestimmte Auszugslänge zu erreichen. Das Zuggewicht ist ein wichtiger Faktor im Bogensport. Entsprechend häufig tauchen Fragen dazu auf, vor allem auch nach dem geeigneten, individuellen Zuggewicht. Es gibt auch immer wieder Missverständnisse in Bezug auf das Zuggewicht beim Bogenschießen. Deswegen findest Du im Folgenden alle wichtigen Informationen zum Thema Zuggewicht Bogen zusammengefasst.

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Herstellerangaben, tatsächliches und individuelles Zuggewicht

Hersteller geben das Zuggewicht für ihre Bögen so gut wie immer in Pfund und für eine Auszugslänge von 28 Zoll an. Das vom Hersteller angegebene Zuggewicht sollt immer nachgemessen werden. Bei Bögen/Wurfarmen die in 5-Pfund Schritten verkauft werden, muss man häufig mit bis zu 2 Pfund (0,91 kg) Toleranz rechnen. Bei Wurfarmen die in 2-Pfund Schritten verkauft werden, sollte nicht mehr als ein halbes Pfund Toleranz gegeben sein. Es kommt jedoch immer wieder vor, dass Bögen ein wesentlich höheres oder niedrigeres Zuggewicht aufweisen als angegeben. Entweder, weil sie falsch beschriftet oder falsch gemessen wurden. Anfänger bemerken dies häufig nicht und bekommen hier dadurch mitunter ein ungeeignetes Zuggewicht oder haben Probleme passende Pfeile zu finden, da sie in die gängigen Spinewewertrechner die falsche Pfundzahl eingeben. 

Das individuelle bzw. persönliche bzw. auch tatsächliche Zuggewicht eines Bogens ist wiederum jenes, welches der Schütze bei seinem persönlichen Auszug auf den Fingern hat. Je nach Körperbau und Ankermethode erreichen Schützen mitunter wesentlich kürzere oder längere Auszüge als den Durchschnittswert von 28 Zoll. Das individuelle Zuggewicht wird ermittelt, indem ein (Mess-)Pfeil bei Vollauszug markiert und der Bogen danach, mithilfe einer Zugwaage/Kofferwaage, erneut bis zur Markierung ausgezogen und gemessen wird. Vor allem Einsteiger sollten diese Messung mehrmals wiederholen, da hier der Ankerpunkt noch variieren kann:

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Auswirkungen des Zuggewichts allgemein

Bei gleicher Bauart des Bogens, gleichem Sehnenmaterial und selbem Pfeil, bedeutet ein höheres Zuggewicht einen schnelleren Pfeil und damit eine flachere Pfeilflugkurve. Neben der Flugkurve ist ein schnellerer Pfeil auch weniger lange Witterungseinflüssen wie Wind, Regen und Schnee ausgesetzt. In Summe betrachtet, sind die witterungsbedingten Vorteile eines schnelleren Pfeils aber vernachlässigbar, da starker Wind und Regen die Ausnahme und nicht die Regel darstellen.
Des Weiteren dauert es bei niedrigerem Zuggewicht länger bis der Pfeil den Bogen verlassen hat als bei höherem, weshalb manchmal argumentiert wird, dass ein höheres Zuggewicht mehr Fehler im Moment des Lösens verzeiht. Dies ist jedoch so nicht der Fall. Einerseits führen höhere Zuggewichte wesentlich häufiger zu Fehlern, andererseits wirken auch höhere Kräfte auf den Pfeil.
Das tatsächliche Zuggewicht auf den Fingern beeinflusst den dynamischen Spine des Pfeiles und ist für die Ermittlung eines passenden Pfeil-Setups wesentlich.

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Auswirkungen des Zuggewichts auf den Schützen

Je höher das Zuggewicht des Bogens, desto mehr Kraft muss der Schütze aufwenden, um den Bogen zu spannen und zu halten. Entsprechend ermüdet der Schütze auch schneller, was sich in Veränderungen des Bewegungsablaufes bemerkbar macht. Bei Schützen die ein (zu) hohes Zuggewicht schießen, sind im Verlauf des Bogenschießens häufig folgende Dinge zu beobachten:

  • Die Schultern wandern immer weiter nach oben
  • Bogenhand/Arm und Sehnenhand/Arm sind wesentlich mehr angespannt als nötig
  • Der Schießstil als ganzes erscheint – bedingt durch die Ermüdung der Muskulatur – immer „härter“ und verliert seine „Leichtigkeit“
  • Es wird nicht oder unzureichend nachgehalten
  • Es wird immer kürzer geankert, oder der Ankerpunkt wandert nach vorne, oder beides
  • Es findet beim Lösen keine Spannungsüberhöhung mehr statt, vielmehr fällt mit oder kurz vor dem Lösen bereits die ganze Spannung in sich zusammen

Obige Aufzählung ohne Gewähr auf Vollständigkeit. 
Es wird dadurch klar, dass (zu) hohe Zuggewichte dem Schützen meist mehr Nachteile als Vorteile bringen. Insbesondere Anfänger lernen sich durch zu hohe Zuggewichte wesentlich häufiger Fehler ein oder haben generell Schwierigkeiten damit, überhaupt zu einem reproduzierbaren Bewegungsablauf für ein vernünftiges Trefferbild zu kommen. Hinzu kommt auch noch, dass zu hohe Zuggewichte möglicherweise eine Weile lang durchaus sauber geschossen werden können, es aber langfristig dennoch zu einer Überbelastung der Gelenke kommt.

Als vorteilhafte Auswirkungen eines hohen Zuggewichts für den Schützen lässt sich eigentlich nur sagen, dass er den Vorteil hat, nun bei weiter entfernten Zielen nicht mehr so viel drüber halten zu müssen. Außerdem sind nur Männer die über 50 Pfund Zuggewicht schießen echte Kerle und kommen bei den Damen gut an 😉 (Sorry, der musste sein)

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Ermitteln des geeigneten Zuggewichts

Für Einsteiger gilt, dass sie den Bewegungsablauf für das Bogenschießen mit nicht mehr als rund 20 Pfund auf den Fingern erlernen und in der Anfangszeit üben sollen. Erst wenn hierbei auf kürzere Distanzen (10-15 Meter) sauber ins Zentrum gruppiert werden kann und auf weitere Distanzen die vertikale Linie halbwegs sauber hinbekommen wird, sollte ein Wechsel auf ein höheres Zuggewicht angedacht werden.
Bei Kindern ist es ein guter Richtwert, die Pfundzahl gleich dem Alter zu wählen, wobei hier individuelle Unterschiede natürlich berücksichtigt werden müssen.
Für Erwachsene, die bereits den Schussablauf beherrschen, werden häufig Zuggewichtsempfehlungen nach Geschlecht, Selbsteinschätzung der Sportlichkeit und Häufigkeit wie oft der Bogensport ausgeübt wird gegeben. Diese Empfehlungen mögen manchmal zutreffend sein, liegen aber häufig daneben und werden deshalb hier nicht wiedergegeben.
Eine weitere Methode sind Haltetests. Eine grobe Faustregel besagt, dass ein Bogen mindestens 10 Sekunden lang im persönlichen Auszug gehalten werden können muss, ohne dass dabei Zittern oder übermäßige Muskelanspannungen auftreten. Solche Haltetests – die sich übrigens mit unterschiedlichen Zeitangaben finden, bzw. auch mit mehreren Wiederholungen durchgeführt werden – sind zwar besser geeignet um das passende Zuggewicht herauszufinden, jedoch immer noch fehleranfällig. Beispielsweise macht es einen Unterschied, ob dieser Test nach einer erholsamen Nacht, taufrisch ausgeruht am Morgen gemacht wird, oder am Abend nach einem anstrengenden Arbeitstag. Auch kann ein solcher Test nur aussagen, was die Muskulatur an Zuggewicht bewältigt, nicht jedoch, ob auch die Gelenke hierbei langfristig mitmachen. 
Entsprechend gilt für das richtige Zuggewicht, das weniger häufig mehr ist. Keinesfalls sollten auch nach intensiven Trainingseinheiten weder Gelenkschmerzen, noch massiver Muskelkater auftreten. Die oben genannten Punkte der Auswirkungen eines zu hohen Zuggewichts auf den Schützen sollten höchstens vereinzelt auftreten. 

Letztlich gilt: Ein reproduzierbarer, sauberer Schießstil ist die Grundlage für eine Erhöhung des Zuggewichtes. Geht der saubere Schießstil nach einer Erhöhung des Zuggewichts verloren und ist nach einigen Trainingseinheiten immer noch nicht wieder hergestellt, wurde das Zuggewicht zu hoch gewählt.

Im Übrigen: Wer hohes Zuggewicht rein aus Freude an der Sache schießen möchte, kann dies gerne tun, muss aber eben obige Nachteile sehr wahrscheinlich in Kauf nehmen. 

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Missverständnisse/ falsche Annahmen bezüglich Zuggewicht Bogen

Bögen mit gleichem Zuggewicht lassen sich unterschiedlich schwer/leicht ziehen

Immer wieder kommt es zu Behauptungen wie: „Der Bogen xy lässt sich so weich ziehen, da kannst Du auch 5 Pfund mehr nehmen, das merkst Du gar nicht… „
Fakt ist, dass ein Bogen mit 45lbs @ 28 – sofern richtig angegeben – bei 28 Zoll eben auch 45 Pfund hat und dieses Zuggewicht auch gehalten werden muss. Lässt sich ein Bogen scheinbar dennoch schwerer oder leichter ziehen, liegt dies an der Zuggewichtskurve. Die Zuggewichtskurve eines Bogens wird ermittelt, indem man für jeden Zoll Auszug das Zuggewicht ermittelt und das Ergebnis in ein Diagramm einträgt. Je nach Verlauf dieser Kurve und individueller Wahrnehmung kann es nun zu dem Eindruck kommen, dass ein Bogen weicher oder härter zu ziehen ist. Wichtig ist bezüglich einer solchen Wahrnehmung auch immer die individuelle Auszugslänge eines Schützen. Beispielsweise kann ein Schütze, der bis 28 Zoll auszieht, den Auszug als angenehm gleichmäßig empfinden, während ein Schütze der auf 31 Zoll auszieht erlebt, wie derselbe Bogen am letzten Stück plötzlich „zumacht“.
Hier zeigt sich auch wieder wie wichtig es ist, Bögen vor dem Kauf tatsächlich zu ziehen und auch nachzumessen.

Mehr Zuggewicht am Bogen bringt auch immer mehr Pfeilgeschwindigkeit und eine flachere Flugkurve

Wie oben erwähnt, bringt ein höheres Zuggewicht nur bei ansonsten gleichem Setup auch automatisch mehr Pfeilgeschwindigkeit. Abweichende Bauweise, unterschiedliche Bogentypen, Sehenmaterial- und Machart und vor allem auch das Pfeilsetup beeinflussen jedoch ebenfalls die Geschwindigkeit. Da viele Hersteller ein Mindestpfeilgewicht je nach Zugstärke eines Bogens angeben, fällt der Zuwachs an Pfeilgeschwindigkeit bei ansonsten gleicher Bauart des Bogens häufig geringer aus, als vom Schützen erhofft.

Frauen schießen ein geringeres Zuggewicht als Männer

Da Frauen im Durschnitt weniger kräftig sind als Männer, trifft dies häufig zu. ABER: Das Zuggewicht sollte sich stets nach den individuellen Gegebenheit richten. Meine persönliche und natürlich subjektive Beobachtung ist hier, dass Männer häufig höhere Zuggewichte schießen als ideal für sie wären, während viele Frauen niedrigere Zuggewichte schießen, obgleich sie von Kraft, Ausdauer und Technik her eigentlich in der Lage wären, höhere Zuggewichte zu bewältigen.

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