Pfeil&Bogen: Der Langbogen

Der Langbogen erfreut sich bei vielen Schützen großer Beliebtheit. Deshalb hier einige interessante Fakten zum Langbogen:

  • Langbogen ist der Überbegriff für stabförmige Bögen. Erweitert auch für solche mit flachem Querschnitt
  • Als englischen Langbogen bezeichnet man den Stabbogen des Spätmittelalters. Dieser wurde meist aus Eibe oder Ulme hergestellt.
  • Als Langbogen gilt ein Bogen dann, wenn er in etwa die Größe des Schützen hat und die Sehne den Bogen nur an den Bogentips berührt.
  • Der älteste Bogen der bisher auf englischem Gebiet gefunden wurde, datiert auf 2690 v. Christus. Fundort war Meare Heath in Somerset.

Die Geschichte des englischen Langbogens

Der Bogen tauchte 449 erstmals auf den britischen Inseln auf, als König Vortigern das heutige Wales überfiel.
Die Waliser waren von der Waffe beeindruckt, studierten nach dem Abzug der Feinde verbliebene Exemplare und ließen sich von Wikingern in der Kunst des Bogenschießens unterrichten.
Mit den gewonnenen Fertigkeiten konnten sie sich alsbald gegen den südlichen Nachbarn erfolgreich zur Wehr setzen.
Nach vielen Schlachten wurde der Langbogen zur nationalen Waffe und trug einige Jahrhunderte lang entscheidend zum Verlauf von Schlachten bei.

Hier noch einige weitere spannende Punkte zum Langbogen:

  • Man unterscheidet in den englischen Langbogen vom Typ Mary Rose, gefertigt aus Eibenholz, über 1,8 Meter lang und mit tiefem D-Querschnitt, sowie dem späteren viktorianischen englischen Langbogen, mit weniger tiefem Querschnitt und flachen Bauch.
  • Das meist verwendete Holz für den Langbogen war die Eibe. Deren Holz wurde vor allem aus Süddeutschland und Norditalien importiert. Durch die große Nachfrage wurde die Eibe in Europa ein seltener Baum, der heute unter Naturschutz steht.
  • Weitere Hölzer zum Langbogenbau waren und sind Esche, Ulme, Hasel (selten), Bambus, zuweilen mit Metall verstärkt (Indien), Maclura, Robinie, Ulme, Ahorn und Eberesche.
  • Die Sehne mittelalterlicher Langbögen bestand meist aus Lein- oder Brennesselfasern.

Die Zugstärken der damaligen Bögen können heute aus Funden von Pfeilspitzen, Bogenfunden und deren Nachbauten, Deformationen bei Skelettfunden und durch überlieferte Berichte geschätzt werden. Es wird dabei von einem durchschnittlichen Zuggewicht von ca. 80 Pfund (etwa 36kg) ausgegangen. Jedoch gibt es auch Belege für Zuggewichte von über 120 Pfund. (120 Pfund sind ca. 54 kg. Dieses Gewicht lastete also auf den Fingern der Bogenschützen bei ausgezogenem Bogen)
Das Ziel für den Bogen als Kriegswaffe war immer eine möglichst hohe Durchschlagskraft:

  • Ketten- und Plattenrüstungen sowie dicke Eichenplatten konnten von Pfeilen durchschlagen werden
  • Als Geschwindigkeit für die damaligen Pfeile werden rund 150-160 km/h angenommen.
  • Langbogenschützen waren hoch spezialisierte und aufwändig ausgebildete Soldaten, die bis zu 10 Pfeile pro Minute über Reichweiten von bis zu 200 Meter abschießen.
  • Geschossen wurde eher in die Masse, als auf Einzelziele.
  • Mit den englischen Langbogenschützen ging eine ganze „Kriegsindustrie“ einher. Bogenbauer, Pfeilmacher, Schmiede, Seiler, Holzhändler und Fuhrbetriebe profitierten vom hohen Bedarf an Kriegsbögen.

Das Ende des Langbogens

Im ausgehenden 15 Jahrhundert wurde der Langbogen zunehmend von der Arkebuse und weiteren Feuerwaffen verdrängt. Zwar waren die Schussfolgen mit dem Langbogen nach wie vor höher und auch Feuchtigkeit spielte beim Bogen weniger Rolle als bei der Feuerwaffe. Allerdings dauerte die Ausbildung eines Arkebusiers wesentlich kürzer als die eines Bogenschützen.
Des weiteren wurden einerseits die Rüstungen immer stärker und konnten leichter von Gewehrkugeln durchschlagen werden, andererseits entwickelte sich natürlich auch die Technik der Schusswaffen weiter.

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Der moderne Langbogen

Heute ist der Langbogen in erster Linie ein Sportgerät mit wesentlich geringerem Zuggewichten als die Kriegsbögen damals. Langbögen erhält man in verschiedensten Ausführungen, sowohl in traditioneller als auch in moderner Ausführung und ohne oder mit Schussfenster. Traditionelle Bogenschützen verwenden Langbögen gerne in Kombination mit traditionellen Holzpfeilen.
Je nach Ausfertigung kann mit modernen Langbögen und entsprechendem Pfeilmaterial beim intuitiven Bogenschießen durchaus dieselbe Präzision erreicht werden, wie mit anderen Bögen in moderner Bauweise.

Was man beim Kauf eines Langbogen beachten sollte

Beim Kauf eines Langbogen in moderner Bauform gelten natürlich dieselben Grundsätze wie bei Bogenkauf allgemein. Während der traditionelle Langbogen nach hinten hin natürlicherweise stark „zumacht“ und einen sehr prägnanten Handschock verursacht, ermöglicht der Einsatz moderner Materialien und Bauweisen wesentliche weicheres Auszugs- und Schussverhalten. Im Vergleich zum Recurvebogen fühlt sich ein Schuss mit einem solchen Langbogen aber natürlich immer noch anders an, da die Gegenbiegung der Wurfarme fehlt und die Sehne beim Abschuss, beim Langbogen, nicht auf den Wurfarmen aufschlägt. Der Unterschied zwischen Recurvebogen und Langbogen verschwindet immer mehr in der Bauform des Hybridbogens*. 

Langbogen Kaufkriterien, altes Wissen:

Kauft man einen Langbogen in traditioneller Bauweise, gilt auch heute noch das, was man in Toxophilus – Die Schule des Bogenschießens nachlesen kann:

Tox: Also werde ich dir einige Merkmale eines Bogens aufführen, damit du seltener getäuscht wirst. Wenn du in einen Laden kommst und einen Bogen findest, der schlank, lang, schwer und stark, schnurgerade und nicht verwunden ist, unbelastet durch Knoten, Risse, Flecken, Sprünge oder Druckstellen, so rate ich dir, ihn zu kaufen. Die beste Farbe eines Bogens ist, meines Erachtens, derart, dass Vorderseite und Rückseite größtenteils gleich gearbeitet wurden, was sich in der Praxis meist als hell Wachsfarben oder golden erweist, mit feinen langen Fasern vom einen Ende des Bogens zum anderen. Wenn sich die kurze Faser auch manchmal als gut erweist, so ist sie doch meistens sehr brüchig. Mit dem Bogenbau werde ich mich nicht allzu sehr beschäftigen, um nicht den Eindruck zu erwecken, dass ich mich in einem Bereich bewege, von dem ich wenig Ahnung habe. Dennoch ersuche ich alle Bogenbauer, ihre Rohlinge gut zu trocknen, sie gut zu bearbeiten und zu reduzieren, sie hinreichend mittels Hitze zu härten und gut zu tillern.

Ascham, Roger. Toxophilus, Die Schule des Bogenschießens (German Edition) . Wiethase Verlag. Kindle-Version.*

Einen traditionellen Langbogen zu kaufen ist natürlich immer auch Vertrauenssache. Selbstverständlich kann man sich einen Langbogen auch selber bauen…

Langbogen selber bauen

Unter fachkundiger Anleitung kann man sich seinen Langbogen natürlich auch selber bauen. Matthias Wiltschko hat mir vor einiger Zeit einen kurzen Gastartikel dazu geschrieben, du findest ihn hier: https://intuitivbogen.at/langbogen-selber-bauen-mit-der-richtigen-anleitung-klappt-es. Darin stellt er seine sehr ausführliche und mittlerweile unter Bogner sehr bekannte und viel gelobte Anleitung zum Bau von Langbogen* vor. 

Wer sich dafür interessiert, einen Langbogen oder auch andere Bogentypen selbst zu bauen, oder sich einen Bogen genau nach Vorstellung bauen zu lassen, findet auch hier noch weitere hilfreiche Adressen in Österreich. (Wenn ihr weitere Adressen willst die fehlen, einfach Bescheid geben)

Ein Langbogen in moderner Bauweise:

Video Primitivbogen Bauanleitung

Ich selber bin ja nicht so der Handwerker, aber mein Freund Hannes von der Künstlerei Grundner kann das:

Alle ins Gold, alle ins Blatt!

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